Concertos for Four Horns

Werke von Robert Schumann, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann und Josef Haydn

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos 8.557747
erschienen in: das Orchester 12/2006 , Seite 93

Auf den ersten Blick find­en sich auf dieser CD tat­säch­lich vier Konz­erte für vier Hörn­er. Immer­hin übernehmen diese bei allen Werken eine entschei­dende Rolle. Sieht man genauer hin, dann ist neben dem berühmten Schu­mann-Konz­ert vielle­icht noch Hän­dels Con­cer­to F‑Dur (dem zum Teil die Ouvertüre der Feuer­w­erksmusik zugrunde liegt) als Hornkonz­ert zu beze­ich­nen, keines­falls jedoch Tele­manns Alster-Ouvertüre oder gar Haydn-Sin­fonie Nr. 31 D‑Dur, die den Titel „Horn Sig­nal“ trägt.
Solche Anmerkun­gen mögen spitzfind­ig klin­gen, doch die Neuein­spielung des renom­mierten Amer­i­can Horn Quar­tet macht mit ihrem Titel Con­cer­tos for Four Horns ein­fach falsche Ver­sprechun­gen. Die Zahl der echt­en Konz­erte für vier Hörn­er ist näm­lich rar und sen­sa­tionelle Neuent­deck­un­gen gibt es hier nicht zu ver­melden. Vor diesem Hin­ter­grund reduziert sich der Reper­toirew­ert der Auf­nah­men aus dem Jahr 2003 deut­lich, denn alle Werke sind schon mehrfach einge­spielt wor­den.
Was aber leis­tet das Amer­i­can Horn Quar­tet, dessen Mit­glieder alle­samt in Mit­teleu­ropa sesshaft gewor­den und bei führen­den Orch­estern tätig sind? Nun, die hor­nistis­chen Qual­itäten des nicht mehr ganz jun­gen „Exilanten“-Ensembles sind zweifel­los her­aus­ra­gend. Das Maßstäbe set­zende Schu­mann-Konz­ert spie­len die Amerikan­er aus einem Guss und eben­so überzeu­gend wie einst Her­mann Bau­mann und seine Mit­stre­it­er, ja die Bal­ance zwis­chen den vier Stim­men gelingt noch bess­er. Strahlende Töne im ewigen Schnee des Horn­reg­is­ters, Schwindel erre­gende Akko­rd­brechun­gen, serviert mit der Präzi­sion ein­er Näh­mas­chine – alles kein Prob­lem für Ker­ry Turn­er, Charles Put­nam, David John­son und Geof­frey Win­ter. Auch die Sin­fo­nia Varso­via spielt unter Leitung von Dar­iusz Wis?niewski engagiert, sen­si­bel und mit Feuer.
An vir­tu­osem Ein­satz, fan­tasievollen Verzierun­gen und ele­gan­ten Schlen­z­ern man­gelt es auch dem Hän­del-Konz­ert und der (hier nicht kom­plet­ten!) Alster-Ouvertüre von Tele­mann nicht. Doch für eine heute noch überzeu­gende Inter­pre­ta­tion spielt das Amer­i­can Horn Quar­tet ein­fach die falschen Instru­mente – mod­erne Ven­til­hörn­er näm­lich, die sich erst im fort­geschrit­te­nen 19. Jahrhun­dert vol­lends durch­set­zten. Ähn­lich­es gilt für die mod­ern instru­men­tierte Sin­fo­nia Varso­via. Wer den ungle­ich reizvolleren Orig­i­nalk­lang nach­hören möchte, sollte die Auf­nahme mit der Akademie für Alte Musik Berlin zur Hand nehmen. Auch Haydns 31. Sin­fonie hat man schon überzeu­gen­der gehört (ver­gle­iche die Ein­spielung von Niko­laus Harnon­court), wen­ngle­ich das pol­nis­che Orch­ester im zweit­en Satz mit einem außergewöhn­lich schö­nen Vio­lin­so­lo aufwartet.
Das Book­let schließlich ist, wie beim Niedrig­preis-Label Nax­os üblich, sparsam aus­ges­tat­tet. Für deutschsprachige Kün­stler­bi­ografien hätte es den­noch reichen sollen. Und das Naturhorn auf dem Titel führt den poten­ziellen Hör­er noch ein­mal in die Irre.
Johannes Killyen