concertos for 1 and 2 harps

Werke von Reinecke, Zabel und Parish-Alvars

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Claves 50-2607
erschienen in: das Orchester 11/2006 , Seite 96

Wie gut, dass man beim Hören ein­er CD die Laut­stärke per Fernbe­di­enung regeln kann. Bei den vor­liegen­den Har­fenkonz­erten von Carl Rei­necke (1824–1910) und Albert Zabel (1834–1910) sowie dem Dop­pelkonz­ert von Elias Parish-Alvars (1808–1849) muss man das besagte Gerät ständig bedi­enen, um die Har­fen­solis­ten genau­so gut zu hören wie das Orch­ester.
Ich weiß aus eigen­er Erfahrung, wie schw­er sich Ton­meis­ter tun, die ober­ton­re­iche Harfe so aufzunehmen wie andere Soloin­stru­mente. Mit der heuti­gen Tech­nik wäre ein opti­maler Hör­genuss selb­stver­ständlich. Emmanuel Ceysson und Xavier de Maistre ver­di­enen es wahrlich, dass man ihre große Vir­tu­osität und Musikalität in diesen drei Konz­erten bewun­dern und genießen kann. Eben­so ver­di­ent die Staat­sphil­har­monie Rhein­land-Pfalz unter der Leitung von Han­nu Lin­tu großes Lob, die äußerst ein­fühlsam begleit­et, um dann schließlich in den Tut­tis­tellen ihren strahlen­den Orch­esterk­lang zu zeigen. Spätestens hier muss die Fernbe­di­enung wieder in Funk­tion treten, denn man wollte ja (lauter aufge­dreht) den vor­ange­gan­genen Har­fen­soli lauschen.
Xavier de Maistre ist ein weltweit anerkan­nter Solist, dazu seit 1999 Har­fenist der Wiener Phil­har­moniker. Er zeigt im Konz­ert von Carl Rei­necke seine große Musikalität. Die Wieder­gabe ist mir allerd­ings durch zu viele Arpeg­gioakko­rde nicht streng genug, zumal non arpeg­gio zuweilen in den Noten ste­ht. Hinge­gen begeis­tert mich ganz beson­ders sein Spiel der großen Kadenz im 1. Satz.
Emmanuel Ceysson, ein junger begabter Har­fenist mit bere­its inter­na­tionaler Kar­riere, spielt sehr bril­lant das Konz­ert von Albert Zabel, mitunter jugendlich ungestüme Tem­pi, bei denen selb­st das Orch­ester nicht mithal­ten möchte. Jedoch über­wiegt sein erfrischen­des Musizieren. Bei­de Har­fenis­ten spie­len dann als drittes Werk das Con­certi­no für zwei Har­fen und Orch­ester von Elias Parish-Alvars. Sie beza­ubern mit bril­lantem tech­nis­chen Feuer­w­erk und exzel­len­tem Zusam­men­spiel in den gemein­samen Läufen, sodass man schon fast den eigentlich optis­chen Genuss – zwei Solo­har­fen vor dem Orch­ester – ver­gisst. Diese CD lohnt sich. Emmanuel Ceysson und Xavier de Maistre beweisen mit ihrem Spiel, dass auch Konz­erte leichteren Charak­ters musikalisch sehr attrak­tiv sein kön­nen.
Mar­i­on Hofmann