Fazil Say und Wolf Kerschek
Concerto for trumpet, organ and string orchestra with percussion/The four elements
Matthias Höfs (Trompete), Tillmann Höfs (Horn), Christian Schmitt (Orgel), Mustafa Aykut Köselerli (Percussion), Münchner Rundfunkorchester, Ltg. Christoph Altstaedt
Seit vielen Jahren verfolgt Matthias Höfs das Anliegen, die Trompete aus vertrauten Kontexten herauszulösen und neue musikalische Dialoge zu eröffnen. Aus diesem Impuls heraus entstanden auch die beiden Kompositionsaufträge, die auf seiner neuen CD erstmals eingespielt wurden.
Den Auftakt bildet Fazıl Says Doppelkonzert für Trompete, Orgel, Streicher und Percussion. Bereits die Besetzung verweist auf den konzeptionellen Kern des Werks: die Orgel aus ihrem sakralen Umfeld zu lösen und in einen neuen konzertanten Zusammenhang zu stellen. Was zunächst ungewöhnlich erscheint, erweist sich rasch als schlüssig, da die Percussion den Klangraum um östliche Farben erweitert und dem Werk durch Mustafa Aykut Köselerlis virtuoses Percussionspiel eine besondere Ausdruckskraft verleiht. So entsteht ein faszinierender Dialog zwischen europäischer Polyfonie und anatolischer Rhythmik. Gemeinsam mit Christian Schmitt entwickelte Say eine originelle und idiomatische Orgelsprache. Zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Christoph Altstaedt überzeugen die Solisten durch Präzision, Klangvielfalt und gestalterische Souveränität. Besonders eindrucksvoll ist der Satz „Köçekçe“, ein von orientalischen Tanzrhythmen inspirierter Wirbel aus klanglichen Kapriolen, getragen von einem unerbittlichen perkussiven Puls. Eine jazzig gefärbte Romanze bildet dazu einen reizvollen Kontrast, bevor das fulminante Finale die vielfältigen Einflüsse des Werks in einem mitreißenden Schluss bündelt.
Das zweite Werk der CD ist Wolf Kerscheks Doppelkonzert The Four Elements für Trompete, Horn und Orchester, welches Matthias Höfs gemeinsam mit seinem Sohn Tillmann Höfs eingespielt hat. Im Doppelkonzert treten Trompete und Horn als komplementäre Klangpartner auf. Inhaltliche Grundlage bilden die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft, deren unterschiedliche Charaktere Kerschek unmittelbar erfahrbar macht. Das Wasser zeigt sich in fließenden Streicherlinien und blubbernden Figuren der Soloinstrumente, während das Feuer in rhythmischen Eruptionen und markanten Blechakzenten hervortritt. Die Erde versteht Kerschek als „Puls“ und „Fundament“. Im abschließenden Satz „Air“ entfaltet das Werk seine poetischste Seite. Kerscheks direkte, bildhafte und gelegentlich an Filmmusik erinnernde Tonsprache verbindet Zugänglichkeit mit handwerklicher Raffinesse.
Zusammenfassend zeigt diese CD eindrucksvoll, wie sich durch Mut zu ungewöhnlichen Besetzungen und stilistische Offenheit neue Klangräume erschließen lassen. Die beiden Doppelkonzerte erweitern das Repertoire nicht nur um originelle Instrumentenkombinationen, sondern auch um Werke, die Brücken zwischen unterschiedlichen musikalischen Welten schlagen und dabei stets zugänglich bleiben.
Tobias Krieger


