Hummel, Johann Nepomuk

Concerto a Tromba principale

Manuscript Facsimile reprint/Einführung, Historische Betrachtung, Analyse, Kritischer Kommentar, Originale Solostimme von Edward H. Tarr

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Editions Bim, Vuarmarens 2011/2010
erschienen in: das Orchester 11/2013 , Seite 71

Neben dem Konz­ert für Trompete und Orch­ester Es-Dur Hob.VIIe:1 von Joseph Haydn gehört das 1803 kom­ponierte Trompe­tenkonz­ert von Johann Nepo­muk Hum­mel (1778–1837) zum absoluten Stan­dard­reper­toire der Trompeter. Es existieren hun­derte Auf­nah­men ver­schieden­ster Solis­ten, zum Teil mit unter­schiedlichen Melodieführun­gen und stark voneinan­der abwe­ichen­den dynamis­chen Gestal­tun­gen, und in let­zter Zeit sind erfreulicher­weise auch immer mehr Solis­ten auf Klap­pen­trompe­ten „unter­wegs“, für welche dieses Konz­ert ursprünglich geschrieben wurde. Jed­er, der diesem Werk ern­sthaft näher kom­men möchte, wird also nur zu gerne ein­mal einen Blick in das Fak­sim­i­le wer­fen wollen, um sich Klarheit zu ver­schaf­fen über die Orig­inal­tonart (Es-Dur oder E‑Dur?), Phrasierun­gen, Dynamik oder schlicht die von Hum­mel gewün­scht­en Töne.
Die Veröf­fentlichung von Edward H. Tarr in Zusam­me­nar­beit mit der Hochschule der Kün­ste Bern und der Edi­tions Bim, welche mit Mit­teln des Schweiz­er Nation­al­fonds im Rah­men des Forschung­spro­jek­ts „Klap­pen­trompe­ten“ unter­stützt wurde, kann also ohne Übertrei­bung als ein Meilen­stein beze­ich­net wer­den: Neben dem far­bigen Fak­sim­i­le der Orig­i­nal­par­ti­tur von 1803, das mit den auch im Orig­i­nal enthal­te­nen Überkle­bun­gen mit ca. 69 Euro zwar hoch­preisig, aber auch sehr hochw­er­tig daherkommt, find­et sich dazu passend als Vol­ume 4 der „HKB His­toric Brass Series“ (eben­falls auf Englisch und Franzö­sisch erhältlich) neben der Orig­i­nal-Solostimme eine Ein­führung zum Fak­sim­i­le, die his­torische Betra­ch­tung, eine Analyse und ein kri­tis­ch­er Kom­men­tar, welch­er wohl auch auf die schwierig­sten Fra­gen zu diesem Konz­ert eine Antwort zu geben weiß. Auf über­sichtliche Art wer­den dem Leser in ver­ständlich geschrieben­em Text, mit deut­lichen Quel­lenangaben und Zitat­en, Fotografien von Instru­menten und dem Abdruck ein­er his­torischen Griffta­belle wichtige Aspek­te des Werks und sein­er Entste­hung näherge­bracht. Tarrs Schlussfol­gerun­gen sind niemals aus der Luft gegrif­f­en, son­dern gut begrün­det und belegt – oder eben auch als Zweifels­fall gekennze­ich­net.
Fern­er find­en sich in dieser Pub­lika­tion der mod­erne Noten­satz der Solostimme für Trompete in E bzw. in H, die sich leicht aus dem Heft her­aus­nehmen lassen. In der Ver­sion für Trompete in E sind an manchen Stellen in einem zweit­en Noten­sys­tem die späteren Änderun­gen abge­druckt. Der kri­tis­che Trompeter, welch­er nun nicht ganz unberechtigt ein­wer­fen wird, dass es immer noch all­ge­mein üblich ist, dieses Konz­ert
in Es-Dur zu spie­len, kann hier­für übri­gens beruhigt die Solostimme in H ver­wen­den und sich in Übepausen an den hochin­ter­es­san­ten 17 Seit­en Text von Edward H. Tarr erfreuen.
Diese bei­den Aus­gaben sind sich­er nicht nur für jede gut sortierte Bib­lio­thek, son­dern auch für jeden Solis­ten ein absolutes Muss, und man kann vor dieser erstk­las­sig gemacht­en Arbeit in Zeit­en von oft allzu schnell auf den Markt gewor­fe­nen Neuaus­gaben der üblichen Hits nur den Hut ziehen.
Kristin Thiele­mann