Baumann, Herbert

Concerti da camera

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Vogt & Fritz Sound GAMI 8024
erschienen in: das Orchester 02/2006 , Seite 87

Man liest es mit Erstaunen: Die Musik zu über 500 Büh­nen­stück­en hat Her­bert Bau­mann geschrieben. Wer so viel kom­poniert, muss entwed­er ein far­blos­er Vielschreiber oder ein fleißiger, diszi­plin­iert­er und zugle­ich ein­fall­sre­ich­er Musik­er sein. Her­bert Bau­mann gehört sicher­lich zur zweit­en Kat­e­gorie, denn er bere­ichert das Reper­toire für viel­er­lei Gat­tun­gen seit Jahrzehn­ten mit qual­i­ta­tiv anspruchsvollen Werken. Und dass er für die Bühne beson­ders kreativ war, liegt in sein­er Biografie begrün­det: 1925 in Berlin geboren, war er bere­its im Alter von 22 Jahren musikalis­ch­er Leit­er des Deutschen The­aters sein­er Heimat­stadt. Weit­ere Engage­ments fol­gten an anderen Büh­nen, ehe er sich 1979 aufs freiberu­fliche Wirken ver­legte.
Die CD gibt einen Überblick über das konz­er­tante Schaf­fen von Her­bert Bau­mann: vom Kam­merkonz­ert Nr. 1 für Flöte, Oboe und Stre­i­chorch­ester aus dem Jahr 1948 bis zum Wei­h­nacht­skonz­ert für Stre­i­chorch­ester aus dem Jahr 1992 reicht die Spannbre­ite. Sie bietet zugle­ich einen Ein­blick in die musikalis­che Welt des Kom­pon­is­ten: Seine Musik klingt wed­er wie die eines Neutön­ers noch wie diejenige eines Epigo­nen, ste­ht aber in klas­sis­ch­er Tra­di­tion und wurzelt hör­bar etwa in Hin­demith oder Straw­in­sky. Die Con­cer­ti beza­ubern durch­weg mit spiel­freudi­ger, konz­er­tant-frisch­er Musik, in denen die Solis­ten in spritzi­gen Ein­fällen bril­lieren, aber auch in elegis­chen und war­men Melo­di­en schwel­gen kön­nen. Alle Solis­ten ver­ste­hen es bestens, diese effek­tvolle und geistre­iche Musik wirkungsvoll zu präsen­tieren: Da stellen sich bis zum let­zten Con­cer­to keine „Abnutzungser­schei­n­un­gen“ ein, zumal die Auswahl ein far­biges und reizvolles Gesamt­tableau aus­bre­it­et.
Natür­lich lässt sich eine stilis­tis­che Entwick­lung über die Jahrzehnte fest­stellen, die das früh­este und das jüng­ste Werk tren­nen – auch wenn sich Bau­mann im Grund­satz treu geblieben ist. So greift er har­monisch und im Ein­satz der Klang­mit­tel in den Aspek­ten von 1982 deut­lich zu ein­er geschärfteren Ton­sprache, zu kom­pak­teren, mit Effek­ten gewürzten Klän­gen und zu einem großen Ges­tus. Die Schlichtheit und Inten­sität seines alter­na­tiv­en Wei­h­nacht­skonz­erts von 1992 rührt dage­gen wieder emo­tion­al an – dies ist eine Musik, die auch dur­chaus von Laienorch­estern darzustellen ist.
Ein­prägsam ist über all die Jahre die knappe, fassliche Form geblieben, in die Bau­mann seine musikalis­chen Ideen gießt und mit der er es dem Pub­likum leicht macht, sein­er Musik zu fol­gen, sie zu ver­ste­hen.
Das beglei­t­ende Würt­tem­ber­gis­che Kam­merorch­ester unter Paulus Christ­mann wie unter dem Kom­pon­is­ten per­sön­lich überzeugt mit rhyth­misch pointiertem und zupack­en­dem Spiel, ver­ste­ht sich aber auch auf die leisen und gedeck­ten Töne.
Wolf­gang Birtel