Wolfgang Amadeus Mozart

Complete Works with Clarinet Vol. 2: Sinfonia concertante KV297b/Klarinettenkonzert A-Dur KV 622

Nicolas Baldeyrou (Klarinette), Gabriel Pidoux (Oboe), David ­Guerrier (Horn), David Douçot (Fagott), Kölner Akademie, Ltg. Michael Alexander Willens

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Alpha Classics
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 75

Die Sinfonia concertante Es-Dur für Klarinette, Oboe, Horn, Fagott und Orchester KV 297b ist eines der faszinierendsten und umstrittensten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Ursprünglich 1778 in Paris für ein Virtuosenquartett aus Flöte, Oboe, Horn und Fagott komponiert, verschwand die handschriftliche Partitur auf rätselhafte Weise noch vor der Uraufführung. Erst 1860 tauchte das Werk in einem Manuskript wieder auf, in dem die Flöte durch eine Klarinette ersetzt worden war. Nachdem es lange Zeit als fragwürdig galt, wird seine Zuschreibung an Mozart heute von der Musikwissenschaft weitgehend akzeptiert.
Jetzt hat das immer spannende Originalklangensemble Kölner Akademie die überlieferte Fassung erstmals auf historischen Instrumenten eingespielt. Selbstverständlich werden dabei die stilwidrigen Vortragsbezeichnungen aus dem 19. Jahrhundert ignoriert und stattdessen Klangbild und Aufführungspraxis der Mozartzeit so weit wie möglich rekonstruiert, auch mit zusätzlichen Verzierungen und Umspielungen. „Während moderne Instrumente dazu neigen, die Texturen zu glätten und den Klang zu vereinheitlichen“, meint der Klarinettensolist Nicolas Baldeyrou im Booklet, „lassen die historischen Blasinstrumente – mit ihren ganz eigenen Charakteristika und Persönlichkeiten – diesen lebhaften, wahrhaft theatralischen Dialog zwischen vier Solisten mit ausgeprägten Eigenheiten wieder aufleben. So gewinnt das Werk seine ursprünglichen Farben, seinen galanten Geist und seine Pariser Vitalität zurück.“ Mit den originalgetreuen Nachbauten der damaligen Pariser Instrumente verstehe man, „wie Mozart mit den ,Mängeln‘ und Qualitäten jeder einzelnen Röhre spielte, um eine perfekte Alchemie zu erzeugen, die zu einer sprechenden, rhetorischen Artikulation zwingt.“
Das beliebte Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 aus Mozarts Todesjahr 1791 wurde dagegen schon mehrfach im Originalklang aufgenommen. Schon seit vier Jahrzehnten ist es wieder üblich, für den Solo­part zu jener Bassettklarinette zu greifen, die noch eine Quarte tiefer reicht als die „gewöhnliche“ Klarinette und für die der Meister sein Werk schuf. Auf dem Cover dieser neuen CD zeigt der Solist den Schalltrichter dieses Instruments, ähnlich dem runden „Liebesfuß“ einer Oboe d’amore.
Die beiden Kompositionen erklingen hier ebenso feinsinnig wie durchsichtig, ebenso stilsicher wie plastisch. Der Teufel steckt auch diesmal im Detail – doch der Ansatz überzeugt ganz grundsätzlich und das innere Pulsieren kommt besonders dem stellenweise etwas schematischen Gruppenkonzert sehr zugute.
Ingo Hoddick

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