Granados / Albéniz / de Falla u.a.

Classica Espagñola

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Musikproduktion Dabringhaus und Grimm MDG 910 1727-6
erschienen in: das Orchester 07-08/2012 , Seite 78

Süße Wehmut, bit­ter­er Schmerz, glühende Lei­den­schaft – die nun erschienene vierte CD der Rei­he „Clas­si­ca“, die sich zum Ziel geset­zt hat, klas­sis­che Musik und Welt­musik zu verbinden, ist eine gefüh­lvolle Hom­mage an Spanien und seine reichen musikalis­chen Tra­di­tio­nen. Ini­tia­torin des Pro­jek­ts ist wie bei den vor­ange­gan­genen CDs zu Musik aus Kuba, Venezuela und Argen­tinien die Flötistin Anette Maiburg, die wieder erstk­las­sige Musik­er ver­schieden­er Herkun­ft für die Zusam­me­nar­beit gewin­nen kon­nte. Maiburgs Kar­riere begann klas­sisch, als Flötistin bei ver­schiede­nen deutschen Orch­estern (u.a. Phil­har­monis­ches Orch­ester Hagen, Bam­berg­er Sym­phoniker, WDR Rund­funko­rch­ester Köln). Dazu kam eine Lehrtätigkeit an den Musikhochschulen in Köln und Lübeck.
Maiburg knüpft mit dieser Crossover-CD an die Erneuerung der spanis­chen Kun­st­musik im 19. Jahrhun­dert durch die Inte­gra­tion folk­loris­tis­ch­er Ele­mente an. In kun­st­fer­ti­gen Bear­beitun­gen (Tark­mann, von Wan­gen­heim u.a.) von Werken von Enrique Grana­dos, Isaac Albéniz, Manuel de Fal­la und diversen Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen wird ein span­nen­des, gen­reüber­greifend­es Panora­ma spanis­ch­er Musik vorgestellt. Unver­wech­sel­bar wird die Ein­spielung durch die reizvolle Beset­zung und Instru­menten-
mis­chung. Denn musiziert wird – mit höch­stem kam­mer­musikalis­chen Anspruch – nicht nur auf Instru­menten der europäis­chen Klas­sik, son­dern auch auf solchen der spanis­chen bzw. lateinamerikanis­chen Folk­lore, etwa der Cajón oder der Cua­tro, ein­er kleinen vier­sait­i­gen Gitarre aus Venezuela.
Die drei bis acht Minuten lan­gen Stücke sind geschickt und abwech­slungsre­ich platziert. Neben gekon­nt darge­bote­nen, „klas­sis­chen“ Bear­beitun­gen, etwa für Flöte und Gitarre, ste­hen far­ben­prächtige Arrange­ments und Neukom­po­si­tio­nen unter Ver­wen­dung von Folko­re-Instru­menten, allen voran die vier aus­drucksstarken mod­er­nen Fla­men­co-Kom­po­si­tio­nen des vene­zolanis­chen Kom­pon­is­ten und Flötis­ten Omar Acos­ta, aber etwa auch Spain von Chick Corea für Flöte, Gitarre, Kon­tra­bass, Flamenco­gitarre, Cua­tro und Cajón.
Die Stücke sind den Musik­ern des Clas­si­ca-Espag­no­la-Teams wie auf den Leib geschnit­ten und das wech­sel­nde Zusam­men­spiel überzeugt run­dum. Die Flötistin Anette Maiburg bläst klangschön und klan­glich flex­i­bel, wun­der­bar passend zum exzel­len­ten Gitar­ren­spiel von Andreas von Wan­gen­heim. Auch der vir­tu­ose Kon­tra­bassist Wlodz­imierz Gula fügt sich fabel­haft in das Ensem­ble ein. Beson­deren Reiz erhal­ten einige Stücke durch das bril­lante Kastag­netten-Spiel von Alber­to Alar­cón: Faszinierend, wie viele dif­feren­zierte Rhyth­men und Klang­far­ben mit diesem unschein­baren Instru­ment erzeugt wer­den kön­nen! Auch den anderen Musik­ern gelingt es her­vor­ra­gend, sich mit ihren kün­st­lerischen Pro­filen in das Team einzubrin­gen.
Ins­ge­samt eine aus­geze­ich­nete Pro­duk­tion, die auch durch das infor­ma­tive, sorgfältig erstellte Book­let punk­ten kann. Wer an spanis­ch­er (Welt)Musik inter­essiert ist, wird diese inno­v­a­tive, stim­mige Ein­spielung zu schätzen wis­sen.
Andrea Welte