Liszt, Franz

Christus

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Dabringhaus und Grimm MDG 9371366-6, 3 CDs
erschienen in: das Orchester 07-08/2007 , Seite 78

Während die Klavier­musik Franz Liszts wieder ver­stärkt gepflegt wird, wird das einst so pop­uläre Orch­ester­w­erk heute sowohl in Konz­erten als auch Schallplat­tenkat­a­lo­gen eher stiefmüt­ter­lich behan­delt. Eben­falls wenig Beach­tung erfahren die geistlich inspiri­erten Kom­po­si­tio­nen Liszts wie z.B. Chris­tus-Ora­to­ri­um.
Nun hat Roman Kof­man mit seinem Beethoven Orch­ester Bonn eine Neudeu­tung vorgelegt, die Ref­eren­zs­ta­tus für sich beanspruchen kann. Auf so überzeu­gen­dem Orch­ester­n­iveau dürfte die kom­plexe Par­ti­tur sel­ten zu erleben sein. Kof­man und sein sehr klangschön, geschmei­dig und unge­mein dif­feren­ziert musizieren­des Orch­ester leg­en ein überzeu­gen­des Plä­doy­er für Liszts mon­u­men­tales, von vie­len musikalis­chen Gegen­sätzen geprägtes Werk ab. Anteil an dem Hörvergnü­gen hat auch die Auf­nah­me­tech­nik, die in der Bad Godes­berg­er Heilig-Kreuz-Kirche den weit­en dynamis­chen Radius der Musik eben­so wie das aufge­fächerte Klang­panora­ma überzeu­gend einge­fan­gen hat. Natür­lichkeit des Klangs ste­ht im Vorder­grund, let­zt­mögliche Trans­parenz wird nicht angestrebt, ohne dass die Musik an Detail­treue ver­lieren würde.
Neben dem Beethoven Orch­ester Bonn haben auch der eben­so klang­mächtig wie sub­til agierende Tschechis­che Phil­har­monis­che Chor Brünn (Ein­studierung Petr Fiala), der Organ­ist Christoph Anselm Noll sowie die Solis­ten großen Anteil an dem überzeu­gen­den Gesamtergeb­nis der Ein­spielung dieses Ora­to­ri­ums. Eben­bür­tig auch die höhen­sichere Franziska Hirzel (Sopran), Bir­git Rem­mert mit aus­drucksstarkem Alt, der überzeu­gende Tenor Don­ald Kaasch und der etwas opern­hafte Bari­ton Ralf Lukas.
Wal­ter Schneckenburger