Reinecke, Carl

Chamber Music for Clarinet, Horn and Piano

Trio Slaskie: Roman Widaszek (Klarinette), Tadeusz Tomaszewski (Horn), Joanna Domanska (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Dux Records DUX 1219
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 71

Rei­necke hat zwar knapp die ober­sten Eta­gen auf dem Olymp der Kom­pon­is­ten nicht erk­lom­men, doch die Werke dieser CD sind alle­samt hörenswert. Roman­tisch und manch­mal ein biss­chen folk­loris­tisch, unter­halt­sam und gefüh­lvoll garantieren sie einen entspan­nten, auf sehr gutem tech­nis­chen Niveau einge­spiel­ten Zuhörabend. Wer zudem auch Klavier­trios in etwas sel­teneren Beset­zun­gen zu schätzen weiß, wird hier mit dem Trio für Klar­inette, Horn und Klavier sehr gut bedi­ent.
Die Klar­inette  eröffnet – but­ter­we­ich und zugle­ich schlank, vir­tu­os und sauber insze­niert Roman Widaszek die Fan­tasi­estücke op. 22. Den etwas betulichen drit­ten Satz („Deutsch­er Walz­er“) lässt er burschikos frohlock­en. Pianistin Joan­na Doman­s­ka begleit­et ihn musikalisch und gefüh­lvoll. Über­haupt ist sie das musikalis­che Rück­grat eines jeden Werks dieser CD, denn sie ist in einem jeden beset­zt und immer sehr gut vor­bere­it­et. Anschließend singt das Horn ein Noc­turne op. 112. Ruhig und verträumt, aber kein biss­chen schläfrig, geht Tadeusz Toma­szewski das Werk an, genießt die weni­gen lauteren Töne und lässt sein sen­si­ble Blech­blasin­stru­ment sin­gen.
Es fol­gt mit Opus 256 Musik für Klar­inette und Klavier.: Ein­er ruhi­gen Intro­duk­tion fol­gt organ­isch ein bewegtes Alle­gro, ganz, wie es Rei­necke ver­mut­lich wollte. Mit schlankem Ton und flinken Fin­gern lockt Widaszek es aus der Klar­inette. Allerd­ings lässt eben dieser schlanke, helle Ton ein paar dun­klere Klang­far­ben nicht zu, die allen Werken an manchen Stellen gut getan hät­ten.
Das Klavier­trio been­det die CD. Das Hornsignal eröffnet, etwas rau im Ton. Alle drei Spiel­er nutzen hier schon im ersten Satz die Möglichkeit, bedeu­tend fes­ter zuzu­pack­en. Pianistin Joan­na Doman­s­ka ist nun die Dritte im gle­ich­berechtigten musikalis­chen Bund, was sie hör­bar genießt. Kraftvoll geht sie Läufe und Ein­würfe an und platziert sie punk­t­ge­nau. Über­haupt bietet das Trio eine sehr homo­gene Leis­tung, achtet aufeinan­der und spielt sich die The­men zu. Das Andante fließt nun entspan­nt dahin. Ein biss­chen mehr Kern hätte dem Ton der Klar­inette hier wieder nicht geschadet, das Horn kön­nte mehr Glanz auf­tra­gen. Zugle­ich sorgt dieser schlan­ke Stil wieder ein­mal für die Vital­ität, die der Musik hier jede Sen­ti­men­tal­ität nimmt.
Das fol­gende Scher­zo ist ein klein­er Lecker­bis­sen. Lock­er und anscheinend entspan­nt perlt es aus den Instru­menten: gute Laune auf tech­nisch hohem Niveau, schön artikuliert mit knack­i­gen Stac­cati selb­st in der Klar­inette. Tänz­erisch schle­icht sich das Finale ins Ohr. Damit es nicht zu sim­pel wird, hat Rei­necke Brüche und Wen­dun­gen großzügig in die Kan­ti­lene einge­flocht­en, die über allem immer zu erah­nen ist. Das Trio genießt jeden einzel­nen Bruch, ohne Tem­po oder den musikalis­chen Bogen zu ver­lieren. Das etwas raue Horn bildet den reizvollen Kon­trast zur schlanken Klarinet­te, das Klavier streut Ton um Ton ein weich­es, wildes Blüten­meer da­zu. Die drei Musik­er ergänzen sich vorzüglich und zeigen, dass ein Klavier­trio auch mit Klar­inette und Horn aus­nehmend gut funk­tion­iert.
Heike Eick­hoff