Schumann, Robert

Cello Concerto A minor op. 129

version for cello and string quartet

Rubrik: CDs
Verlag/Label: hANDm records hmr-05080064; Noten erhältlich bei: andreas-heinig@gmx.de
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 76

Robert Schu­mann muss geah­nt haben, dass er mit seinem Cel­lokonz­ert op. 129 Inter­pre­ten wie Zuhör­ern keine leichte Auf­gabe bere­it­en würde. Der zeit­typ­is­chen Vorstel­lung eines „Con­cert bril­lant“ entspricht dieses Werk dur­chaus nicht, wiewohl die tech­nis­chen Schwierigkeit­en des Soloparts diejeni­gen der meis­ten Cel­low­erke der Zeit sog­ar über­schre­it­en. Clara Schu­manns For­mulierung, die „höchst inter­es­sante Ver­we­bung zwis­chen Cel­lo und Orch­ester [sei] wirk­lich ganz hin­reißend“, beschreibt genau das Prob­lem: Der Solist hat Enormes zu leis­ten, ohne hier­für im „Paganini’schen“ Sinn belohnt zu wer­den.
Im Zuge sein­er Ver­hand­lun­gen mit dem Ver­lag Bre­itkopf & Här­tel äußerte der Kom­pon­ist die Idee, „daß es vielle­icht zum Vortheil sein würde, wenn man ein Sait­en­quar­tet­tarrange­ment ausar­beit­ete, auf daß man es auch in Pri­vatkreisen aus­führen kön­nte“. Auf diese Weise gedachte Schu­mann, das kom­plexe Werk zumin­d­est Ken­nern und Lieb­habern zugänglich zu machen, wenn denn schon die große Res­o­nanz im öffentlichen Konz­ert aus­bleiben würde. In der Tat fand die Urauf­führung des Werks mut­maßlich erst 1860 statt, und zu ver­di­en­ten Ehren kam Schu­manns Cel­lokonz­ert erst im 20. Jahrhun­dert. Bedauer­licher­weise kon­nte Schu­mann die Idee ein­er Kam­merver­sion nicht mehr selb­st aus­führen. An dieses Desider­at wagte sich im Jahr 2002 der Münch­n­er Kom­pon­ist und Ton­sat­zlehrer Markus Höring her­an. Die Anre­gung hierzu ging vom Cel­lis­ten Andreas Heinig aus, in dessen Ver­lag auch das Noten­ma­te­r­i­al dieser Ver­sion erschienen ist. Das Ergeb­nis der glück­lichen kün­st­lerischen Zusam­me­nar­beit ist auf vor­liegen­der CD zu hören. Heinig, 1977 geboren, hat in Berlin und München studiert und wirkt heute neben sein­er solis­tis­chen und kam­mer­musikalis­chen Tätigkeit als Solo­cel­list des Sym­phonieorch­esters des Bay­erischen Rund­funks in München. Für die Ein­spielung des „Con­cert­stücks für Vio­lon­cell“ – so Schu­manns ursprüngliche, auf die durchkom­ponierte ein­sätzige Form Bezug nehmende Beze­ich­nung – kon­nte das 2003 gegrün­dete Ami­ra-Quar­tett gewon­nen wer­den.
Und das Faz­it? Pures Hörvergnü­gen! Andreas Heinigs Spiel lässt wed­er tech­nisch noch in punk­to Wohlk­lang einen Wun­sch offen, die Kom­mu­nika­tion mit dem Quar­tett – nicht zulet­zt im Hin­blick auf Klang­bal­ance – gelingt außeror­dentlich gut. Bemerkenswert zumal sind zahlre­iche Momente, in denen sich das Ensem­ble „Zeit nimmt“ in ein­er Weise, die ohne Zweifel der Auf­führung­sprax­is der Schu­mann-Zeit nahe kommt und zugle­ich inter­pre­ta­torische Freiräume schafft, die im hek­tis­chen Stac­ca­to des mod­er­nen Konz­ert­be­triebs häu­fig unter­drückt wer­den. Heinig und das Ami­ra-Quar­tett lassen die Musik jenen Geist atmen, den wir Hör­er – geprägt durch manch sämi­gen Pseu­do-Schu­mann-Brei – neu ent­deck­en dür­fen. Clara Schu­mann spricht im Zusam­men­hang mit dem „Con­cert­stück“ von „Roman­tik, Schwung, Frische und“ – dies mag uns über­raschen – „Humor“. All das ist hier deut­lich zu hören.
Ger­hard Anders