Celebrating Wagner

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics 0300533BC
erschienen in: das Orchester 09/2013 , Seite 85

Nach­dem Ger­man Brass vor dreizehn Jahren mit der Jubiläums-CD Bach 2000 auch inter­na­tion­al ein­mal mehr beweisen kon­nte, dass sie zur Welt­spitze der Blech­bläserkam­mer­musik-Inter­pre­ten gehören, warteten die Fans seit Jahren auf die näch­ste CD zu einem Kom­pon­is­ten-Jubiläum. Und da die Spatzen schon den Walküren­ritt von den Däch­ern pfeifen, kann sich jed­er denken, wom­it Ger­man Brass Maßstäbe set­zt.
Matthias Höfs, Pro­fes­sor für Trompete und Kam­mer­musik an der Ham­burg­er Musikhochschule, zeich­net in der vor­liegen­den CD für aus­nahm­s­los alle Arrange­ments ver­ant­wortlich, und man kann nur den Hut davor ziehen, wie geschickt er auch die knif­flig­sten Fra­gen beset­zung­stech­nisch gelöst hat: die quirli­gen Stre­ich­er­sex­tolen aus dem Spin­ner­lied (Fliegen­der Hol­län­der, 2. Akt) oder die von Wag­n­er geforderten 15 Trompe­ten, die während der Reit­er­märsche (Lohen­grin, 3. Akt) ver­langt sind.
Von der ersten bis zur 55. Minute – denn hier ist die CD lei­der schon zu Ende – sind Präzi­sion, Stil­sicher­heit in bester Wag­n­er-Tra­di­tion, Vir­tu­osität und Musikalität auf höch­stem Niveau zu erleben. Das tiefe Blech beein­druckt beson­ders mit der Tri­olen-Stelle in den Lohengrin’schen Reit­er­märschen und die Hörn­er zaubern selb­st in höch­sten Lagen müh­e­los.
Die Lohen­grin-Fer­n­trompe­ten sind durch die raf­finiert gemachte Auf­nahme auch akustisch gut (wie in der Orig­i­nal­par­ti­tur von Wag­n­er gefordert) als „ent­fer­n­ter, dann immer näher und näher“ bzw. „von rechts im Hin­ter­grunde sich näh­ernd“ zu erken­nen. Schlauer­weise hat sich Ger­man Brass den „über­stra­pazierten“ Brautchor sowie den „Schwan“ ges­part, punk­tet dafür aber mit der Ver­wand­lungsmusik (Par­si­fal, 1. Akt) und dem Einzug der Gäste auf der Wart­burg (Tannhäuser, 2. Akt).
Witzig und zugle­ich infor­ma­tiv ist das Book­let (Deutsch und Englisch) mit kurzen Tex­ten zu jedem Stück und kleinen Anek­doten, erzählt vom Hor­nisten und Enter­tain­er Klaus Wal­len­dorf sowie kurzen Infor­ma­tio­nen über die Mitwirk­enden. Die einzi­gen Stücke, welche nicht ein­er Oper entstam­men, sind Im Treib­haus („Wesendon­ck-Lieder“) und die Polon­aise, ein Früh­w­erk des Kom­pon­is­ten für Klavier zu vier Hän­den. Tech­nisch und musikalisch von Ger­man Brass gut gemacht und durch die vie­len Wieder­hol­un­gen des Haupt­the­mas zwar „ohrwur­mverdächtig“, kön­nte ich per­sön­lich jedoch am ehesten auf die vom Stil her am „unwag­ner­ischsten“ klin­gende Polon­aise verzicht­en und mir stattdessen etwas aus Tris­tan und Isol­de vorstellen. Schade, dass es auf dieser CD kein einziges Arrange­ment aus diesem hochin­ter­es­san­ten Stück gibt. Aber wie sich Ger­man Brass auch viele Jahre hin­tere­inan­der mit den Werken Johann Sebas­t­ian Bachs beschäftigt hat, bleibt zu hof­fen, dass der Tris­tan noch Einzug ins Reper­toire hält, bevor sich die näch­sten großen Kom­pon­is­ten-Jubiläen näh­ern und wir ges­pan­nt sein dür­fen, ob Ger­man Brass uns bere­its im näch­sten Jahr mit etwas von Richard Strauss oder erst 2017 mit einem Tele­mann-Porträt erfreuen wird. Cel­e­brat­ing Wag­n­er – welch ein Fest!
Kristin Thiele­mann