Paul Hindemith

Cardillac. Oper in drei Akten

Tomasz Konieczny, Vera-Lotte Boecker, Herbert Lippert, Wolfgang Bankl (Gesang), Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Ltg. Cornelius Meister

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Capriccio
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 73

Ein Paradebeispiel der sogenannten „Neuen Sachlichkeit“ stellt die auf E. T. A. Hoffmanns Novelle Das Fräulein von Scuderi fu­ßende Oper Cardillac aus der Feder des Komponisten Paul Hindemith dar. Am 9. November 1926 in Dresden unter dem Dirigat von Fritz Busch erfolgreich aus der Taufe gehoben, fand dieses beachtenswerte Werk schnell seinen Weg in das Repertoire der Opernhäuser. Nach der Uraufführung sollte es bis 1933 noch 13 Folgeproduktionen geben. Dann wurde die Oper unter der Ägide der Nationalsozialisten erst einmal aus den deutschsprachigen Spielplänen verbannt. Ab 1946 erlebte sie eine vielversprechende Renaissance. Bis heute ist dieses grandiose Werk immer wieder in unterschiedlichen Opernhäusern zu sehen.
Die der vorliegenden Live-Aufnahme zugrunde liegende Produktion der Wiener Staatsoper stammt bereits aus dem Jahre 2010. Bis heute hat sich diese hervorragende, innovative Wiener Produktion auf dem Spielplan gehalten. Sie vermochte bislang nicht nur szenisch, sondern vor allem auch musikalisch und gesanglich voll zu überzeugen, weshalb man sich vor vier Jahren dazu entschloss, eine Vorstellung mitzuschneiden und bei dem Label Capriccio auf CD herauszubringen. Dafür ist den Verantwortlichen sehr zu danken, denn hier handelt es sich um eine ganz ausgezeichnete Einspielung.
Das beginnt schon bei Dirigent Cornelius Meister, dem derzeitigen GMD der Staatsoper Stuttgart, der mit großer Akribie und enormem Können die vielfältigen musikalischen Strukturen von Hindemiths großartiger Musik auslotet. Zusammen mit dem prächtig disponierten Orchester der Wiener Staatsoper erzeugt er einen ausdrucksstarken, spannungsgeladenen und intensiven Klangteppich, in dem die leisen, lyrischen Stellen ebenso gewichtig sind wie die enormen Klangeruptionen. Die vielfältigen Details werden von Meister trefflich herausgestellt und gekonnt in den großen musikalischen Zusammenhang eingebettet.
Auf exzellentem Niveau bewegen sich die sängerischen Leistungen. In der Titelpartie des Cardillac ist mit voluminösem und robustem Heldenbariton Tomasz Konieczny zu erleben. Eine wunderbar dahinströmende, klare und bestens italienisch fokussierte Sopranstimme bringt Vera-Lotte Boecker für die Tochter mit. Herbert Lippert ist ein stimmstarker Offizier. Einen tadellosen Bass bringt Wolfgang Bankl in die Partie des Goldhändlers ein. Der Kavalier von Daniel Jenz zeichnet sich durch einen vorbildlich sitzenden Tenor und eine gute Diktion aus. Als Dame gefällt die voll und rund singende Stephanie Houtzeel. Solide ist Evgeny Solodovnikovs Führer der Prévoté. Mächtig legt sich der Chor der Wiener Staatsoper ins Zeug.
Ludwig Steinbach

 

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