Schmolke, Birgit

Bühnenbauten

Handbuch und Planungshilfe

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: DOM publishers, Berlin 2011
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 58

Für Architek­ten ist es bei spezial­isierten Baut­en schon vor Beginn der Pla­nung unab­d­ing­bar, Ken­nt­nisse über die spez­i­fis­chen Anforderun­gen der Nutzer und der Nutzung zu besitzen. Diese möchte die Rei­he „Hand­buch und Pla­nung­shil­fe“ ver­mit­teln. Der jüng­ste Band in DIN-A4-For­mat befasst sich mit Gebäu­den, die expliz­it für Konz­ert und The­ater bes­timmt sind.
Im Schw­er­punkt wer­den 32 Neubaut­en, Umbaut­en und zum Teil auch noch im Bau befind­liche Pro­jek­te und ihre Säle vorgestellt. Unter den ins­ge­samt 18 Konz­erthäusern und 14 The­ater­baut­en aus Europa, ent­standen in den ver­gan­genen rund zehn Jahren, sind spek­takuläre Gebäude wie z.B. die Elbphil­har­monie Ham­burg von Her­zog & de Meu­ron (zugle­ich Umschlag­bild), Jean Nou­vels Kul­tur- und Kon­gresszen­trum Luzern und die Oper in Oslo von Snøhet­ta eben­so vertreten wie Stadtthe­ater, Hochschul­baut­en, Freilicht­büh­nen und Räume für Tanz.
Jedem Gebäude sind im Schnitt zehn Seit­en gewid­met. Den tech­nis­chen Eck­dat­en und Erläuterun­gen zur Pla­nung und Entste­hung fol­gen groß­for­matige Fotos der Gebäude und ihrer Umge­bung, der Säle und von architek­tonis­chen Details, außer­dem Zeich­nun­gen und Grun­drisse.
In einem rosaroten, ca. 100-seit­i­gen Text­teil wird das The­ma Büh­nen­bau aus viel­er­lei Per­spek­tiv­en beleuchtet und illus­tri­ert. Die Autorin steuert einen infor­ma­tiv­en 18-seit­i­gen Artikel zu Geschichte des The­ater­baus in Europa von den Griechen bis in die Gegen­wart bei. Koau­toren erörtern in sieben Essays Aspek­te von der Konzep­tion über die Akustik (Jürg Jeck­lin), Architek­turkri­tik (Karl Haber­mann), Büh­nen­bild (Mar­tin Zehet­gru­ber) bis hin zur Licht­pla­nung (Chris­t­ian Barten­bach) und geset­zlichen Rah­menbe­din­gun­gen. Zunächst kurios mutet der Artikel „Europäis­ch­er The­ater­bau in Chi­na“ an; tat­säch­lich aber prägten viele Europäer die asi­atis­che Architek­tur in dieser Sparte.
Bei der Auswahl ist festzustellen, dass häu­fig architek­tonisch ambi­tion­ierte und spek­takulärste Entwürfe real­isiert wur­den mit dem Ziel, städte­bauliche Akzente zu set­zen. Erfreulich ist es, dass trotz­dem die Schuh­schach­­tel-Form der akustisch besten Konz­ert­säle der Welt in Boston, Wien und Ams­ter­dam auch bei ein­er ganzen Rei­he der neuen Säle zum Ein­satz kam. Den­noch ist zu bedauern, dass den Akustik­ern, wie es Jürg Jeck­lin auf Seite 243 dieses Ban­des schreibt, vielfach nur eine kor­rigierende und keine mit­gestal­tende Auf­gabe zuge­s­tanden wird. Eine löbliche Aus­nahme hier­von ist sicher­lich das eben­falls behan­delte Kul­tur- und Kon­gresszen­trum Luzern mit Rus­sell John­sons genialen „Echokam­mern“.
In der Summe bietet der knapp zwei Kilo­gramm schwere Band einen faszinieren­den Ein­blick in die Vielfalt heutiger Büh­ne­nar­chitek­tur. Musik­ern und son­sti­gen mit Konz­ert- und The­ater­baut­en Befassten bietet er Anre­gun­gen und hil­ft z.B. bei der Vor­bere­itung auf Auf­führun­gen. Architek­ten wer­den ihn als „Pla­nung­shil­fe“ bei Neu-Konzep­tio­nen und Umgestal­tun­gen zu schätzen wis­sen.
Peter Overbeck