Stefan Schäfer

Bridges

Concerto for four double basses and orchestra, Klavierauszug und Stimmen

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: bassist composer publications
erschienen in: das Orchester 02/2022 , Seite 64

Ein Orch­ester mit vier Kon­tra­bässen ist etwas sehr Nor­males, aber vier solis­tis­che Kon­tra­bässe und ein vollbe­set­ztes Orch­ester – wie geht das? Der Solokon­tra­bassist des Phil­har­monis­chen Staat­sor­ch­esters Ham­burg und Kom­pon­ist Ste­fan Schäfer brachte dieses Meis­ter­stück zuwege.
Schäfer ist bekan­nt dafür, dass er zahlre­iche Werke für sein Instru­ment in Beset­zun­gen vom Solo bis zum Oktett für aufgeschlossene Kon­tra­bassis­ten und Ensem­bles vor­legt. Es sind keine zufäl­li­gen Gele­gen­heit­skom­po­si­tio­nen, die dann in der Schublade lan­den, son­dern an den Auf­führungszahlen gemessene Erfolgsstücke!
Das beson­dere Werk mit dem Titel Bridges für Kon­tra­bassquar­tett und Orch­ester ent­stand als Auf­tragswerk des Gör­l­itzer The­ater- und Musikvere­ins e. V. Mit dem dor­ti­gen Orch­ester, der Neuen Lausitzer Phil­har­monie unter Leitung des Chefdiri­gen­ten Andrea San­guineti, kam es gle­ich fünf Mal zur Auf­führung – die Urauf­führung fand im Zit­tauer The­ater im April 2016 statt. Und zwar mit über­wälti­gen­dem Erfolg! Der Kom­pon­ist und die aus­führen­den Solis­ten des inter­na­tionalen Kon­tra­bassquar­tetts Bas­siona Amorosa freuten sich über ste­hende Ova­tio­nen mit Bra­vo-Rufen und gefordert­er Zugabe. Gle­ich­es wieder­holte sich in Gör­litz, Bautzen und Hoyerswerda.
Der Titel des Werks nimmt Bezug auf die Brück­en­funk­tion der Stadt Gör­litz, als Sym­bol zur Über­win­dung von Gren­zen und Gräben, und will inter­na­tionale Gemein­samkeit­en beflügeln. Einen Anfang dafür machte bere­its die Urauf­führungs­be­set­zung des Kon­tra­bassquar­tetts: Die vier Solis­ten kamen aus Rus­s­land (Artem Chirkov), Süd­ko­rea (Andrew Lee), Ser­bi­en (Lju­binko Laz­ic) und Georgien (Gior­gi Makhoshvili) und das Pub­likum reiste auch aus dem deutsch-pol­nis­chen Gren­zge­bi­et an.
Ste­fan Schäfer gelingt es, eine Musik zu schreiben, die inter­es­sant, abwech­slungsre­ich und spiel­freudig für Spiel­er und in gle­ich­er Weise ansprechend für das Pub­likum ist. Die heik­le Auf­gabe, ein solis­tis­ches Kon­tra­bassquar­tett mit einem Orch­ester in Dia­log zu brin­gen und dabei Gemein­samkeit­en immer deut­lich her­vortreten zu lassen, ist dem Kom­pon­is­ten beispiel­gebend gelungen.
Die Melodik kommt den Kon­tra­bässen in den besten Klanglagen ent­ge­gen, mitreißende rhyth­mis­che und har­monis­che Abwech­slun­gen machen dieses dreisätzige 25-Minuten-Stück zu einem Hör­genuss. Äußerst empfehlenswert für ambi­tion­ierte Kon­tra­bass­grup­pen in den Orch­estern und reizvoll für fort­geschrit­tene Hochschul-Kontrabassklassen!
Klaus Trumpf