El-Salamouny, Ahmed

Breaking the Wall

Nervosität beherrschen, kreativer werden und besser lernen. Ein Ratgeber – nicht nur für Musiker

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Acoustic Music Books, Osnabrück 2007
erschienen in: das Orchester 11/2007 , Seite 82

Im ver­gan­genen Jahrzehnt ist eine Fülle von Lit­er­atur zum The­ma Lam­p­en­fieber und Auftrittsop­ti­mierung erschienen. Trotz dieses zunehmend häu­figer disku­tierten The­mas ist sie in der Regel recht eindi­men­sion­al ori­en­tiert. Die Infor­ma­tio­nen beziehen sich meis­tens auf jew­eils einen einzi­gen Aspekt des Musik­er­da­seins. Das vorzustel­lende Buch des Gitar­ris­ten Ahmed El-Salam­ouny ist hier eine begrüßenswerte Erweiterung. Der musizierende Men­sch wird aus ver­schiede­nen Sichtweisen vorgestellt. Und El-Salam­ouny weiß, wovon er spricht: Langjährige Bühnen­er­fahrung und Lehrtätigkeit haben ihm zu einem umfan­gre­ichen Wis­senss­chatz ver­holfen.
Der Autor geht ein­lei­t­end davon aus, dass Musik­er den gle­ichen oder ähn­lichen Anforderun­gen und Belas­tun­gen unter­wor­fen sind wie Sportler. Ein adäquates Reagieren auf diese Ansprüche sowie entsprechende Ein­stel­lun­gen seien jedoch bei den aller­meis­ten nicht zu find­en. Auf­grund eigen­er Sport-Erfahrun­gen erar­beit­et der Autor einen gelun­genen Trans­fer sport­be­zo­gen­er Tech­niken auf die Konz­ert- und Übe­si­t­u­a­tion von Musik­ern. Er stellt her­aus, dass die Belas­tun­gen im Train­ingsall­t­ag sowie in Wet­tkampf- und Konz­ert­si­t­u­a­tio­nen ähn­lich sind.
El-Salam­ouny hat zudem wichtige neu­ro­bi­ol­o­gis­che Erken­nt­nisse inte­gri­ert. Der übende Musik­er kann sich auch rein kör­per­lich verbessern: Hierzu zählen z.B. eine aus­ge­wo­gene Ernährung (Diätethik) sowie ein bedachter Umgang mit leis­tungs­bee­in­flussenden Sub­stanzen. Neben dem „Kick“ durch Zuck­er oder Nikotin kom­men­tiert El-Salam­ouny auch den Umgang mit Medika­menten zur Leis­tung­sop­ti­mierung.
Der Autor ver­fügt über langjährige Unter­richt­ser­fahrung und beleuchtet viele Aspek­te des The­mas Ler­nen, die bish­er sel­ten einen Platz in der Aus­bil­dungslit­er­atur gefun­den haben, so z.B. die hohe Bedeu­tung der Lehrper­son, deren Funk­tion phasen­weise ins Ther­a­peutis­che gehen kann.
Tre­ff­sichere Zitate bekan­nter Per­sön­lichkeit­en geben einen intu­itiv­en, emo­tionalen Ein­stieg in die einzel­nen Kapi­tel. Eine gewisse Selb­stironie lässt den Leser immer wieder schmun­zeln. Das über­sichtliche Lit­er­aturverze­ich­nis motiviert dazu, sich über die Fülle der darge­bote­nen The­men weit­er mit den behan­del­ten Facetten zu beschäfti­gen.
Es ist zu wün­schen, dass die Inhalte dieses gut ver­ständlich und erfrischend undog­ma­tisch geschriebe­nen Buchs Ein­gang in das Gedankengut prob­lem­be­hafteter Musik­er und Musik­stu­den­ten find­en. Auch den Aus­bildern an Hochschulen sei nahe gelegt: Bei der Vor­bere­itung auf ein Leben als Musik­er müssen weit mehr Aspek­te berück­sichtigt wer­den als beispiel­sweise end­los lange und belas­tende Übezeit­en, die selb­stver­ständlich nicht der alleinige Weg zum Ziel sind. Ler­nen kann opti­miert wer­den.
Das Buch ist nicht nur für Musik­er geeignet, son­dern für all jene, die an ein­er per­sön­lichen For­ten­twick­lung inter­essiert sind. Allen Inter­essierten sei das Buch als eine Art „Hausapotheke“ bei Lam­p­en­fieber ans Herz gelegt.
Gudrun Müller