Walter, Elmar

Blas- und Bläsermusik

Musik zwischen Volksmusik, volkstümlicher Musik, Militärmusik und Kunstmusik

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schneider, Tutzing 2011
erschienen in: das Orchester 12/2011 , Seite 72

Sie wird zugle­ich geliebt und gehas­st: die Blas- und Bläser­musik, welche sowohl Bierzelt­seligkeit ver­mit­telt als auch im Konz­ert­saal eine hohe kün­st­lerische Daseins­berech­ti­gung besitzt. Sie schwebt zwis­chen den zwei Stühlen Volks- und Kun­st­musik und schlüpft deshalb bis heute durch das Raster der „musikalis­chen Volk­skunde und der herkömm­lichen Musik­wis­senschaft“.
Und eben um diese Stan­dortbes­tim­mung geht es Elmar Wal­ter in sein­er an der Uni­ver­sität zu Salzburg ein­gere­icht­en Dis­ser­ta­tion. Dabei soll im his­torisch-biografis­chen Abschnitt, so der Ver­fass­er, weniger von der „offen­sichtlichen Seman­tik aus­ge­gan­gen wer­den, son­dern vielmehr sollen die Wech­sel­wirkun­gen und Zusam­men­hänge zu ein­er Art Def­i­n­i­tion führen“, um sie „nicht nur als geblasene Musik zu ver­ste­hen, son­dern sie in der Ein­bet­tung ihrer Inten­tion zu sehen“. Nach Darstel­lung und Auswer­tung der Begriff­serk­lärun­gen ander­er Autoren muss Wal­ter aber fast resig­nierend zu der unweiger­lichen Frage kom­men, „ob es eigentlich notwendig ist, eine klare Def­i­n­i­tion sowohl für Blas­musik als auch für Bläser­musik zu suchen“, weil die Begriffe teils syn­onym, teils kon­trär gebraucht wer­den, wobei er als Con­clu­sio auf die Idee kommt, bei­de Begriffe „Blas- und Bläser­musik“ als Dop­pel­ter­mi­nus zuzu­lassen.
Bevor die His­to­rie der Blas- und Bläser­musik von der „Ur-Blas­musik“ bis in das 20. Jahrhun­dert hinein schlaglichtar­tig dargestellt wird, geht Wal­ter anhand der bre­it gefächerten Lit­er­atur noch einge­hend auf die einzel­nen Begriffe der Volks- und volk­stüm­lichen Musik, Mil­itär- und Kun­st­musik ein, wobei er auch dort auf ähn­liche Def­i­n­i­tion­sprob­leme stößt.
Das Jahr 1814 – das Jahr der Erfind­ung der Ven­tile – bedeutet für Wal­ter einen markan­ten Ein­schnitt in seine Vorge­hensweise. Von da an spal­tet er die Geschichte in die oben genan­nten Gen­res auf und belegt diese anschaulich mit Beispie­len aus seinem bay­erisch-öster­re­ichis­chen Blas­musik-Heima­traum. Bemerkenswert sind die aus­führlich­er, jedoch im Rah­men der Dis­ser­ta­tion keineswegs erschöpfend darzustel­len­den Bere­iche der Mil­itär­musik, ins­beson­dere der bay­erischen Mil­itär­musik mit biografis­chen Details über Max Högg oder Georg Fürst. Dem schließt sich ein kürz­er­er Abschnitt der Kun­st­musik an. Wal­ter muss aber die Frage offen lassen, ob und wann Mil­itär­musik zur Kun­st­musik wird. Die Quin­tes­senz lautet in dem lesenswerten Buch nach 248 Seit­en nicht ger­ade über­raschend, dass „Blas- und Bläser­musik als Musik ZWISCHEN Volksmusik …“ etc. zu beze­ich­nen ist.
Nach Gen­res eingeteilt ist auch der zweite Teil, welch­er die ana­lytis­chen Aspek­te beleuchtet, wobei die Sym­pho­ny No. 1 The Lord of the Rings nach J.R.R. Tolkien aus der Fed­er von Johan de Meij im Mit­telpunkt ste­ht. Der abschließende Teil spürt der Blas­musik in eini­gen Nach­bar­län­dern nach, beleuchtet kurz die Mil­itär­musik der DDR und präsen­tiert ein aus­giebiges Lit­er­aturverze­ich­nis. Etwas umständlich lesen sich über 900 Fußnoten, welche die Nach­weise auch bei der x‑ten Wieder­hol­ung in Gänze notieren.
Wern­er Boden­dorff