Bruns, Victor

Bläserkonzerte/Ballettsuite

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hastedt HT 5337
erschienen in: das Orchester 02/2011 , Seite 76

Es perlt und glitzert ver­spielt, fixe Läufe und hüb­sche melodis­che Ein­fälle im fast roman­tis­chen Duk­tus erfol­gen im flot­ten Wech­sel. Spiel­musik vom Aller­fe­in­sten, dem Fagott auf den lan­gen Leib kom­poniert – und trotz­dem auch für Nichtfagot­tis­ten ein lohnen­des konz­er­tantes Ereig­nis, ein opu­len­ter Ohren­schmauß ohne jede kle­brige Süße.
Vic­tor Bruns’ Konz­ert Nr. 2 C‑Dur op. 15 für Fagott und Orch­ester ste­ht am Beginn der CD. Aufgenom­men 1973 ist es ein his­torisches Doku­ment Neuer Musik, mit Fagot­tist Otto Pis­chk­itl und dem Rund­funk-Sin­­fonierorch­ester Berlin unter Robert Hanell sehr gut beset­zt. Ein traumhaft schönes kleines Andante tran­quil­lo fol­gt und lässt das tief­ste Holzblasinst­rument sin­gen. Dann ein unter­halt­samer bunter Schlusssatz mit langer Fagot­tkadenz, sehr vital und gekon­nt einge­spielt, wed­er abso­lut neutö­nend noch ver­spätet roman­tisch. Dicht­es, freudi­ges Miteinan­der statt star­rer Neuerung, trotz­dem klingt es heute (obwohl schon 1946 kom­poniert) erfrischend mod­ern und in jedem Takt hörenswert. Vic­tor Bruns, selb­st Fagot­tist, geht bril­lant mit Bläser­sätzen um und weiß genau um jede spiel­tech­nis­che Möglichkeit der Blasin­stru­mente. Dazu strotzt er vor melodis­chen Ein­fällen und spielt gern mit Rhyth­men.
Flöte (Wern­er Tast) und Englis­chhorn (Dieter Wag­n­er) sind die Solis­ten des fol­gen­den Konz­erts op. 74 (1982). Stre­i­chorch­ester und Schlagzeug (Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Leipzig unter Lothar Sey­far­th) begleit­en die bei­den. Sportiv im ersten Satz, blitzsauber geblasen und forsch in der Kadenz, lässt der fol­gende langsame Satz sie streck­en­weise zum treiben­den Schlagzeug sin­gen. Ein schön­er Effekt. Danach geht es verträumt, aber ziel­sich­er weit­er. Die Melodik zieht die bei­den Solis­ten wie ein Las­so in den har­monisch angenehm ges­pan­nten let­zten Satz. Fast naive Stre­ichere­in­sätze sor­gen für die Wand­lung zum gio­coso, fröh­lich und klangstark geht es bis zum Ende.
Das Bal­lett Das Recht des Her­rn (1953) ist mit der Suite Nr. 2 vertreten. Das Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin (Ltg. Heinz Fricke) geht voller Spiel­freude ran und genießt jede Kan­ti­lene. Schön bunt: Bruns nutzt die Vio­line zu fast folk­loris­tis­chem Solospiel, lässt direkt danach ein paar Schläge lang das tiefe Blech mit lan­gen Tönen dräuen. Diese Suite hätte als Fim­musik manchen besseren Piraten­film in unge­wohnte kün­st­lerische Höhen kat­a­pul­tiert. Und ist trotz­dem viel mehr als nur Klang­malerei.
Das Konz­ert für Oboe und kleines Orch­ester op. 28 beschließt diese CD mit einem weit­eren vir­tu­osen Werk. Oboist Hans-Wern­er Wätzig legt seinen Part sehr leicht an, spielt schein­bar mit der Musik und dem Instru­ment. Seine Oboe singt und tanzt sich genial durch das Werk – Bruns hat hier dem hohen Dop­pel­rohr ein ganz feines Solostück hin­ter­lassen. Das Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Leipzig (Ltg. Heinz Rögn­er) geht eben­so unangestrengt mit seinen Stim­men um. Her­aus kommt ein bemerkenswertes Instru­mentalkonz­ert, das einen bedeu­ten­den Platz im Reper­toire der Obois­t­en ver­di­ent hätte.
Heike Eickhoff