Between the lines

contemporary music for piano and two clarinets

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello COV 60703
erschienen in: das Orchester 11/2007 , Seite 93

Mit sein­er zweit­en CD Between the lines legt das Bär­mann Trio eine exzel­lente Auf­nahme ver­schieden­er Stücke von zeit­genös­sis­chen Kom­pon­is­ten vor. Die klan­gliche Band­bre­ite der Klar­inette wird hier in rhyth­misch kon­trastre­ichen Kom­po­si­tio­nen aus­gekostet. Volle Kraft von archaisch anmu­ten­den Klän­gen ist eben­so zu hören wie Lyrisches und The­men von dif­feren­ziert­er Magie, die gle­icher­maßen zum Genießen und Nach­denken anre­gen.
Archi­tec­ton­ics II ist das zweite Werk aus dem sieben­teili­gen Zyk­lus für ver­schiedene Kam­mer­musik-Beset­zun­gen des est­nis­chen Kom­pon­is­ten Erk­ki-Sven Tüür. Das musikalis­che Mate­r­i­al des sym­metrisch angelegten Stücks erwächst aus ein­er einzi­gen Note d. Die harten Gegen­sätze von häm­mern­dem Klavier­bass und qua­si impro­visatorischen Phrasen der kreisenden Holzbläs­er wer­den kun­stvoll miteinan­der ver­woben. Tüür erset­zte das ursprünglich vorge­se­hene Vio­lon­cel­lo für das Bär­mann Trio durch die Bassklar­inette.
Auch wenn es das sagenum­wobene Höl­len­tal tat­säch­lich im Schwarzwald gibt, scheint dieses klang­in­ten­sive Stück von Andreas Sorg ein Aus­flug in die Unter­welt zu sein. Man meint in dem osti­nat repetierten Klavier­bass die dröh­nen­den Schritte eines her­an­na­hen­den Unge­heuers zu hören. Die düstere Stim­mung wird durch das wech­sel­seit­ige Agieren der zwei Bassklar­inet­ten wirkungsvoll ver­stärkt.
Mit einem Schrei begin­nt das emo­tion­al span­nungs­ge­ladene Stück Howl­in’ at The Wolf­gang. Der amerikanis­che Kom­pon­ist und Mul­ti-Instru­men­tal­ist Elliott Sharp ver­ar­beit­et hier unlieb­same Kind­heit­serin­nerun­gen an Klavier­stun­den, in denen meist Mozart auf dem Pro­gramm stand. Der Bassklar­inette ist hier das Bas­set­thorn, welch­es von Mozart „wegen seines char­man­ten Tons“ beson­ders geschätzt wurde, zur Seite gestellt.
Ger­hard Müller-Horn­bachs Verblassende Schat­ten hinge­gen ent­führen den Hör­er in eher impres­sion­is­tis­che Klang­land­schaften. Die zurück­hal­tende Klavier­stimme mis­cht sich mit den zarten Spuren der aus Dis­tanz spie­len­den Klar­inette und des Bas­set­thorns, die langsam ins Unhör­bare hinüber­gleit­en.
Die wider­stre­i­t­en­den Gegen­sätze im Mythos des Weib­lichen vere­inigt Patrik Bishay in seinem Klanggemälde About Eve. Während der erste Teil der Kom­po­si­tion ver­spiel­ten, impro­visatorischen Ges­tus hat, wirken die hek­tisch wech­sel­nden Rhyth­mus-Pat­terns gepaart mit beson­deren Klang­ef­fek­ten, wie Flat­terzunge, Atemgeräuschen und gezupften Klavier­sait­en, im zweit­en Teil eher angriff­s­lustig.
Auf wun­der­same Wege beg­ibt sich das Trio in der Suite Mys­teri­um Coni­unc­tio­n­is von Gary Kule­sha, wo den Geheimnis­sen der Verbindung von Alchemie und der Entwick­lung der men­schlichen Seele sen­si­bel nachge­spürt wird.
Beein­druck­end ist das per­fek­te Zusam­men­spiel der drei Musik­er Sven van der Kuip, Ulrich Büs­ing und John-Noel Attard, bei dem sowohl die Liebe zum Detail als auch die Spiel­freude hör­bar sind.
Juliane Bally