Werke von Renié, Dubois, Pierné und Saint-Saëns

Belle Époque

Emmanuel Ceysson (Harfe), Orchestre Régional Avignon Provence, Ltg. Samuel Jean

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naïve V 5419
erschienen in: das Orchester 12/2015 , Seite 80

Belle Époque (frz. für „Schöne Epoche“) ist die Beze­ich­nung ein­er Zeitspanne etwa zwis­chen 1884 und 1914. Beson­ders für Frankre­ich hat diese Epoche eine große kün­st­lerischen Bedeu­tung, die sich u.a. auch in Kom­po­si­tio­nen für Harfe wider­spiegelt.
Emmanuel Ceysson (*1984) wid­met sich auf sein­er neuen CD mit vier Har­fenkonz­erten auss­chließlich dieser Belle Époque. Mit ihm präsen­tiert sich hier ein hochbe­gabter und weltweit anerkan­nter junger Har­fen­vir­tu­ose. Bril­liante Tech­nik, große und sen­si­ble Musikalität, kraftvoll vir­tu­os­es Spiel zeich­nen sein Kön­nen aus. Als erster Har­fenist gewann er in schneller Folge drei große Wet­tbe­werbe: 2004 die Goldmedaille beim Inter­na­tionalen Har­fen­wet­tbe­werb in Bloom­ing­ton; 2006 wurde er für die „Young Con­cert Artists“ aus­gewählt; und 2009 war er erster Preisträger beim Inter­na­tionalen Musik­wet­tbe­werb der ARD in München. Als Solist konz­ertierte er bere­its mit vie­len inter­na­tion­al renom­mierten Orch­estern. 2006 wurde er 1. Har­fenist beim Orch­ester der Paris­er Oper. Darüber hin­aus unter­richtet er an bedeu­ten­den Hochschulen in Frankre­ich und anderen Län­dern und gibt weltweit Meis­terkurse.
Als erstes Werk erklingt auf der CD das Konz­ert für Harfe in vier Sätzen von Hen­ri­ette Renié (1875–1956). Sie war ein Wun­derkind; bere­its in jun­gen Jahren studierte sie neben der Harfe Har­monie, Kon­tra­punkt und Kom­po­si­tion und begann mit dem Schreiben ihres Har­fenkonz­erts schon während des Studi­ums bei ihrem Lehrer Théodore Dubois. Bei der Urauf­führung in Paris 1901 spielte sie selb­st den Solopart.
Dubois (1837–1924), inspiri­ert von dem sehr erfol­gre­ichen Konz­ert sein­er Schü­lerin, kom­ponierte spon­tan seine Fan­taisie für Harfe und Orch­ester, die 1903 uraufge­führt wurde. Das liebenswerte roman­tis­che Stück beste­ht aus drei miteinan­der ver­bun­de­nen Sätzen und sein zyk­lis­ches The­ma ist in vie­len Vari­a­tio­nen zu hören.
Nun fol­gt das eben­falls 1903 uraufge­führte beliebte Con­cert­stück von Gabriel Pierné (1863–1937). Er kom­biniert die Qual­itäten von Reniés berühmten Har­fen­werken mit seinen Erfahrun­gen als Diri­gent und Kom­pon­ist.
Als let­ztes Werk erklingt von Camille Saint-Saëns (1835–1921) das 1918 kom­ponierte Morceau de Con­cert. Harfe und Orch­ester alternieren mit schö­nen Melo­di­en und deren Vari­a­tio­nen. Emmanuel Ceysson bietet eine wun­der­schöne eigene Kadenz zwis­chen dem ersten und zweit­en Teil. Die Coda des Stücks lässt das Konz­ert in strahlen­dem Glanz enden.
Ein großes Kom­pli­ment gebührt allen Ini­tia­toren dieser CD. Nicht nur Emmanuel Ceysson spielt in jed­er Hin­sicht grandios; auch dem Ton­meis­ter sei gedankt für die gute Bal­ance zwis­chen Orch­ester und Harfe. Das renom­mierte Orchestre Régionale Avi­gnon Provence und sein inter­na­tion­al anerkan­nter Diri­gent Samuel Jean tra­gen eben­so dazu bei, sich an der hochqual­i­fizierten Musik­dar­bi­etung auf dieser CD zu erfreuen.
Mar­i­on Hof­mann