Korte, Oliver/Albrecht Riethmüller (Hg.)

Beethovens Orchestermusik und Konzerte

Das Handbuch

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Laaber, Laaber 2013
erschienen in: das Orchester 11/2013 , Seite 66

Die Musikhand­buch-Rei­he bei Laaber stößt im Falle Beethoven an ihre Gren­zen. Neben Lud­wig van Beethoven. Inter­pre­ta­tio­nen sein­er Werke (zwei Bände, 3. Auflage 2009) ver­sucht das Beethoven-Hand­buch in vier Bän­den Beethovens Kom­po­si­tio­nen nach Gat­tun­gen sortiert zu erkun­den. Dass dies nicht durchgängig gelin­gen kann, da die Büh­nen­werke teils unter die Vokalw­erke, teils unter die Orch­ester­w­erke gerech­net wer­den, beein­trächtigt von vorn­here­in die effiziente Nutzung. Wir find­en im vor­liegen­den Band etwa einen Beitrag zur soge­nan­nten Chor­fan­tasie (deren Gat­tung­sprob­lematik lei­der unerörtert bleibt) und der 9. Sin­fonie, eben­so die Schaus­piel­musik zu Egmont, nicht aber jene zu Die Ruinen von Athen oder König Stephan, selb­st nur am äußerten Rande zum Bal­lett Die Geschöpfe des Prometheus. Auch fehlt etwa die orches­trale Gele­gen­heitsmusik (Tänze, Märsche; Rit­ter­bal­lett) gän­zlich.
Lei­der ist, wie bei Sam­mel­bän­den fast unver­mei­d­bar, die Qual­ität der im vor­liegen­den Band ver­sam­melten 22 Orig­i­nal­beiträge sowie ihre edi­torische Betreu­ung nicht auf ganz ein­heitlichem Niveau (so find­et sich etwa im ganzen Band immer wieder „Sin­fonie“ neben „Sym­phonie“) – wis­senschaftlich tief­gründi­ge Analy­sen ste­hen neben fast pop­ulis­tisch for­mulierten und anmu­ten­den The­sen. Als beson­ders her­aus­ra­gend kann man die Beiträge von Albrecht Rieth­müller über die Leonoren-Ouvertüren und von Hel­mut Loos zu den bei­den ersten Sin­fonien beze­ich­nen. Auch die Ein­führun­gen in das Konzertleben und den Musikalien­markt der Zeit von Oliv­er Vogel, Ste­fan Weinzierl, Friederike Wiß­mann und Julia Ronge sind dur­chaus infor­ma­tiv; und wenn auch abseit­ig, so sind doch Glenn Stan­leys Aus­führun­gen zu Beethovens Instru­men­tierung­stech­nik aus­ge­sprochen erhel­lend. Aus­ge­sprochen span­nend auch die Diskus­sion zwis­chen Rain­er Caden­bach (ver­stor­ben am 22. Mai 2008) und Albrecht Rieth­müller zur Erkun­dung des Sin­fonis­chen bei Beethoven. Lei­der kom­men die Konz­er­twerke Beethovens (in nur zwei Auf­sätzen) pro­por­tion­al deut­lich zu kurz. Auch hätte man sich eine ver­stärk­te Kon­tex­tu­al­isierung von Beethovens Schaf­fen in der Musik sein­er Zeit vorstellen kön­nen (Haydn, Cheru­bi­ni, Pleyel, Clemen­ti, Salieri, Hum­mel, Schu­bert und viele mehr).
Als Bonus bietet der Band zwölf Texte her­aus­ra­gen­der Inter­pre­ten oder Kom­pon­is­ten von Liszt bis Boulez, allerd­ings wer­den nicht alle fremd­sprachi­gen Texte über­set­zt oder in der Orig­i­nal­sprache belassen (Debussy vs. Vaugh­an Williams), auch bleibt die Kom­men­tierung dürftig. Hier hätte man sich mehr Mut zur Kon­tex­tu­al­isierung wün­schen kön­nen. Erfreulich die sorgfältige Ausstat­tung und die Reg­is­ter. Ins­ge­samt lei­der kein gän­zlich aus­ge­wo­genes Gesamt­pro­dukt, mit eini­gen Höhep­unk­ten, die aber den hohen Kauf­preis nicht recht­fer­ti­gen kön­nen. Und hätte man den Band „Beethovens Sin­fonien, Konz­erte und Ouvertüren“ genan­nt, er wäre um ein Vielfach­es wirkungsvoller.
Jür­gen Schaarwächter