Werke von Johann Sebastian Bach und Johann Adolph Scheibe
Bach vs. Scheibe. Arien und Instrumentalwerke
Marie-Sophie Pollak (Sopran), Concerto Köln, Ltg. Max Volbers
Bei Berlin Classics erschien 2025 eine aufschlussreiche CD zu den beiden musikalischen Kontrahenten Johann Sebastian Bach und dem vor allem in Dänemark wirkenden Komponisten Johann Adolph Scheibe (1708–1776). Wenn hier auch der Bach-Kritiker und Bach höchstselbst auf einem Album vereint werden, so stellt man doch als Hörer fest, dass beider Werke durchaus gut zusammenpassen und auf einem Album hervorragend harmonieren. Den heute eher unterschätzten Komponisten Johann Adolph Scheibe wiederzuentdecken, setzten sich die Sopranistin Marie-Sophie Pollak und der Leiter des Concerto Köln, Max Volbers, der auch das Booklet schrieb, zur Aufgabe. Johann Adolph Scheibe wurde 1708 als Sohn eines Orgelbauers in Leipzig geboren und war ab 1740 Kapellmeister am dänischen Hof, 1776 verstarb er in Kopenhagen. Man kann ihn als Vertreter aufklärerischer, vorklassischer Musik beschreiben.
Spannend sind in diesem Zusammenhang auch die vier Ersteinspielungen des Albums. Bei diesen handelt es sich allesamt um Werke von Johann Adolph Scheibe: Es erklingen die Aria Sehr geschwinde gleich dem Winde, die Aria Edle Unschuld, gib die Gründe, die Sonata Den døende Jesus, SchW B2:302, und die Aria Willkommen, Heiland. Weitere Abwechslung bietet die Anordnung der Werke, immer im Wechsel zwischen Bach und Scheibe sowie zwischen den insgesamt sieben Gesangswerken und den acht Instrumentalsätzen. Hervorragend ist auch die Ausführung: Marie-Sophie Pollaks Sopran erklingt engelhaft rein, leicht und schwebend, die Koloraturen und Verzierungen schwirren nur so durch den Raum. Daneben brilliert sie auch mit deutlicher Aussprache der deutschen Texte. Dazu kommt das Concerto Köln unter Max Volbers, das die überwiegend gesetzten, langsamen geistlichen Werke, die von lebensfrohen, schwungvollen, hymnischen Stücken unterbrochen werden, in höchster Präzision und Spielfreude darbietet.
Bereichernd auch das informative, die Werke umfassend nachbereitende Booklet, das auch die Beziehungen zwischen Bach und Scheibe in den Blickpunkt rückt und deren Ursachen ergründet. Dazu kommen zum Nachlesen die Texte der einzelnen Arien und Werkerläuterungen, alles in Deutsch und Englisch, sehr lesenswert verfasst von Max Volbers.
Ein rundum bereicherndes, etwa 70-minütiges Album mit Werken des wohl bekanntesten Barockkomponisten Deutschlands in Vereinigung mit einem Komponisten, der klanglich gut zu Bachs Werken passt, eine eigene Klangsprache entwickelte und den es dennoch heute erst wiederzuentdecken gilt. Dies alles wurde gut aufbereitet und musikalisch ansprechend präsentiert. Eine Empfehlung für jeden Barock-Liebhaber und diejenigen, die neugierig sind und gerne unbekanntere Komponisten dieser Zeit entdecken möchten.
Claudia Behn


