As You Like It

Englische Streicher- und Oboenmusik des 20. Jahrhunderts. Werke von John Ireland, Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams u. a.

Rubrik: CDs
Verlag/Label: ebs 6112
erschienen in: das Orchester 10/2006 , Seite 98

Ein grif­figer Titel muss her, wenn man heutzu­tage eine CD mit Werken ver­schieden­er Kom­pon­is­ten erfol­gre­ich ver­mark­ten will. Hier wurde man bei Shake­speare fündig, was insofern Sinn macht, als auf der CD auss­chließlich britis­che Kom­po­si­tio­nen enthal­ten sind. Zwar solche des 20. Jahrhun­derts, aber gewiss keine, die dem vielle­icht unvor­bere­it­eten Hör­er irgendwelche Mühe bere­it­en. Drei Werken für Stre­i­chorch­ester ste­hen ein Oboenkonz­ert und eine Kom­po­si­tion für Oboe solo gegenüber.
Zu Beginn wird ein Werk des außer­halb Großbri­tan­niens kaum bekan­nten John Ire­land (1879–1962) vorgestellt. Sein Con­certi­no pas­torale für Stre­i­chorch­ester gewin­nt vor allem im drit­ten Satz, der Toc­ca­ta, eigenes Pro­fil. In Elgars Stre­ich­er-Ser­e­nade op. 20 zeigt sich, wie zuvor schon bei Ire­land, die hohe Spielkul­tur des Süd­west­deutschen Kam­merorch­esters Pforzheim. Unter der Leitung von Sebas­t­ian Tewinkel wird präzise und flex­i­bel musiziert; sowohl Poe­sie als auch plöt­zliche dynamis­che Akzente kom­men wirkungsvoll zur Gel­tung.
Ralph Vaugh­an Williams wün­schte immer eine „Eigen­ständigkeit“ der englis­chen Musik. In seinem Oboenkonz­ert aus dem Jahr 1944 sind allerd­ings die Ein­flüsse von Hin­demith und Bartók kaum zu über­hören, ohne dass er jedoch deren Tiefe erre­icht. Ste­fan Schilli, Solo-Oboist im Sym­phonieorch­ester des Bay­erischen Rund­funks, schafft es durch aparte Rubati und ele­gante Tem­po­mod­i­fika­tio­nen trotz­dem, dieses eher spröde Werk ins rechte Licht zu rück­en. Tech­nis­che Prob­leme scheinen für ihn über­haupt nicht zu existieren, und so bewältigt er dieses Konz­ert mit ein­er spielerischen Leichtigkeit, die auch die fol­gende Kom­po­si­tion Ben­jamin Brit­tens zum Ereig­nis wer­den lässt.
Brit­tens Sechs Meta­mor­pho­sen nach Ovid für Oboe solo gehören zu den Stan­dard­w­erken jedes Obois­t­en; aber nur wenige kön­nen beispiel­sweise die Stac­cati im Agi­ta­to-Teil des „Phaeton“ in ein­er solch atem­ber­auben­den Geschwindigkeit und Präzi­sion dar­bi­eten wie Ste­fan Schilli.
Mit zwei sauber inter­pretierten Auss­chnit­ten aus William Wal­tons Film­musik zu Hen­ry V. klingt die auch tech­nisch ein­wand­freie CD recht geruh­sam aus. Also bitte: Wie es euch gefällt.
Thomas Lang