Schubert, Franz / Modest Mussorgskij

Arpeggione-Sonate D 821 bearbeitet für Violoncello, Holzbläserquintett und Kontrabass / Bilder einer Ausstellung bearbeitet für Holzbläserquintett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony 513858-2
erschienen in: das Orchester 09/2004 , Seite 88

Puris­ten und solche, die von vorn here­in gegen Bear­beitun­gen und Arrange­ments sind, welch­er Art auch immer, wer­den hier eines Besseren belehrt. Beson­ders bei der zart und zer­brech­lich wirk­enden, aber meis­ter­haft für Bläserquin­tett geset­zten Arpeg­gione-Sonate hätte wohl auch Schu­bert seine Freude gehabt. Ursprünglich hat­te der Kom­pon­ist im Novem­ber 1824 den Auf­trag erhal­ten, für die von dem Wiener Instru­menten­bauer Johann Georg Staufer erfun­dene Arpeg­gione oder auch „Bogen-Gui­tarre“ eine Sonate mit Begleitung des Pianoforte zu schreiben. Dabei han­delt es sich um eine Art Zwit­terin­stru­ment zwis­chen ein­er Gitarre und einem Vio­lon­cel­lo. Auf dessen etwas klein­er men­su­ri­ertem Cor­pus waren sechs Darm­sait­en in Gitar­ren­stim­mung aufge­zo­gen. Lei­der existiert von diesem Instru­ment keines mehr, auf welchem aus­gedehnte Arpeg­gien ver­schieden­ster Art möglich waren.
Um dieses einzi­gar­tige Meis­ter­w­erk trotz­dem spie­len zu kön­nen, wer­den für den Solopart in erster Lin­ie das Vio­lon­cel­lo oder auch die Bratsche ver­wen­det. Jedoch fehlt es dem ersteren an tech­nisch ein­wand­freier Höhe, let­zterem an Tiefe. Die sehr sub­tile und ken­nt­nis­re­iche Instru­men­ta­tion mit Vio­lon­cel­lo, Kon­tra­bass und Holzbläserquin­tett von Herib­ert Breuer über­windet jedoch diese Schwierigkeit­en: ein echter Gewinn unter den in den ver­gan­genen Jahren erschiene­nen und über­wiegend wenig überzeu­gen­den Bear­beitun­gen. Eben­so ein­fühlsam wie die Bläs­er spielt David Geringas den Solopart mit viel Wärme und zartem Schmelz.
Ein wenig anders ver­hält es sich bei der Instru­men­ta­tion von Mod­est Mus­sorgski­js Bilder ein­er Ausstel­lung. Aus kaum einem Werk entsprangen mehr geniale, aber auch plat­te und indiskutable Bear­beitun­gen. Kaum ein­er kann sich der Orchestrierung Mau­rice Rav­els aus dem Jahr 1922 entziehen, doch war er beileibe nicht der erste. Bere­its 1891 hat­te der hierzu­lande unbekan­nte Kom­pon­ist Michail Tuschmalow sich an der 1874 ent­stande­nen Klavierkom­po­si­tion Mus­sorgski­js versucht.
Bei der hier vor­liegen­den Auf­nahme mit dem her­vor­ra­gend agieren­den Bläserquin­tett der Staatskapelle Berlin ver­misst man allerd­ings das fein gesponnene Instru­men­tar­i­um und dessen Klangfülle. Nicht umson­st schmuggelt sich am Tor von Kiew noch ein Schlagzeug ein. Dage­gen erin­nern manche Bilder wie die Tuil­le­rien oder das Bal­lett der Küken alter­na­tiv­los wiederum fast zu sehr an den franzö­sis­chen Komponisten.
Der Grund für die markan­ten Unter­schiede zwis­chen Schu­bert und Mus­sorgskij sind eigentlich schnell eruiert. Schu­bert schrieb ein intimes Kam­mer­musik­w­erk, das durch eine gute kam­mer­musikalis­che Instru­men­ta­tion imma­nent auf ein­er Ebene bleibt und dabei gewin­nen kann. Mus­sorgski­js Werk dage­gen ist mit sein­er Voll­grif­figkeit auf dem Klavier auf zum Teil bre­ite und in die Tiefe gehende Klangfülle, wär­mendes Blech sowie leuch­t­ende Far­ben angewiesen, eine Forderung, welch­er ein Bläserquin­tett kaum nachzukom­men in der Lage ist.
 
Wern­er Bodendorff