Thöne, Jost / Jan Röhrmann

Antonius Stradivarius

Großbild-Dokumentation in 4 Bänden

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Jost Thöne Verlag, Köln 2010
erschienen in: das Orchester 06/2011 , Seite 65

Es gibt kein „wirk­lich­es“ Stradi­vari-Geheim­nis, stellt Jost Thöne in seinem Vor­wort fest. Ver­gle­iche von Maßen und Maßver­hält­nis­sen, Unter­suchung der Hölz­er, Lack­analy­sen, Aufze­ich­nung von Klangspek­tren führen zwar zu dif­feren­zierten und auswert­baren Ergeb­nis­sen. Sie bestäti­gen aber let­ztlich nur, dass die Kon­struk­tions- und Form­prinzip­i­en Anto­nio Stradi­varis eben­so wie die ästhetis­chen Qual­itäten einen überzeitlich gülti­gen Maßstab darstellen – unberührt vom Wech­sel der Stilpe­ri­o­den und den damit ver­bun­de­nen Verän­derun­gen von Men­sur und Sait­enspan­nung.
Für die Bekräf­ti­gung dieses Vor­bild­charak­ters – der einzel­nen Exem­plare wie auch des Gesamtwerks – spielt die Anschau­ung eine entschei­dende Rolle. Klan­gliche Kri­te­rien wie Bril­lanz, Vol­u­men und Tragfähigkeit des Tons eignen sich nicht zur Iden­ti­fika­tion. Sie kom­men erst unter den Hän­den des Spiel­ers zur Wirkung, als Resul­tat sein­er Inspi­ra­tion durch das Musik­w­erk und das Instru­ment. Selb­st nach früheren Besitzern wie Kreisler oder Huber­man benan­nte Instru­mente kön­nen nicht auf­grund von deren Schallplat­te­nauf­nah­men spez­i­fiziert wer­den, son­dern nur durch die optisch erkennbaren Merk­male.
Noch niemals in der Geschichte war es möglich, eine so große Zahl von „Strads“ (127 Geigen, 4 Bratschen, 17 Cel­li) unter so ein­heitlichen Voraus­set­zun­gen zu ver­gle­ichen wie in diesen gewichti­gen vier Bän­den. Das erfordert Vorkehrun­gen: zumin­d­est eine gut aus­geleuchtete Tis­ch­plat­te, bess­er ein Lesepult, das auch den ausklapp­baren, 91 cm bre­it­en Seit­en Halt gibt, die z.B. einen Cel­lo-Kor­pus in Orig­i­nal­größe wiedergeben. Die superschar­fen Dig­i­ta­lauf­nah­men von Jan Röhrmann und die Hei­del­berg­er Druck­tech­nik, die selb­st unter der Lupe keine einzel­nen Raster­punk­te erken­nen lässt, sind der Betra­ch­tung eines Orig­i­nalin­stru­ments, die meist mit stören­den Lichtre­flex­en ver­bun­den ist, klar über­legen.
Wer den nicht gerin­gen Kauf­preis bezahlt hat (zweifel­los eine gute Gel­dan­lage), kann sich auf ein Leben mit dieser beispiel­losen Doku­men­ta­tion freuen, deren Begleit­texte das Schick­sal jedes Instru­ments auf­grund namhafter Quellen wie Hill, Beare, Ham­ma oder Sac­coni akribisch zurück­ver­fol­gen. Im ersten Band gibt der großan­gelegte Artikel von Flo­ri­an Leon­hard, „Anto­nio Stradi­vari, His Work and Lega­cy“, Ein­blick in die vier Schaf­fenspe­ri­o­den Ama­tisé, Long Pat­tern, Gold­en Peri­od und Late Peri­od. Simon Mor­ris von J & A Beare informiert kom­pe­tent über „The Preser­va­tion of Anto­nio Stradivari’s instru­ments“. Ganz nah an das (vielle­icht doch vorhan­dene) Geheim­nis bringt uns Car­lo Chiesa mit seinem Lebens­bild Stradi­varis und sein­er Fam­i­lien­werk­statt. Sog­ar per­sön­liche Schick­salss­chläge wie der frühe Tod (1727) des 1703 gebore­nen, hochbe­gabten Sohnes der zweit­en Ehe­frau Anto­nia, Gio­van­ni Bat­tista Mar­ti­no, sind an den Instru­menten abzule­sen.
Ein Jahrhun­der­twerk. Bei YouTube erfährt man unter dem Titel Stradi­vari­books Trail­er 2010 Inter­es­santes über die bewun­dern­swerte Arbeit­sleis­tung der bei­den Autoren. Die beigelegte CD kann als Klang­beispiel nicht überzeu­gen.
Rein­hard Seif­fert

Richtig­stel­lung: In Aus­gabe 6/11, S. 65, veröf­fentlicht­en wir eine Besprechung der vier­bändi­gen Groß­bild-Doku­men­ta­tion “Anto­nius Stra­di­uar­ius”. Autorin nahezu aller Texte dieser Pub­lika­tion ist Alessan­dra Barabaschi – was nur in ein­er kurzen Notiz am Ende von Band 4 Erwäh­nung find­et. Der Rezensent hat Alessan­dra Barabaschi aus diesem Grund nicht erwäh­nt, son­dern nur die übri­gen Autoren dieser Pub­lika­tion. Für dieses Ver­säum­nis möcht­en wir uns bei der Autorin entschuldigen und druck­en hier ihre Gegen­darstel­lung ab.

Gegen­darstel­lung: In der Buchbe­sprechung wird durch die For­mulierung “Bei YouTube erfährt man unter dem Titel ‘Stradi­vari­books Trail­er 2010’ Inter­es­santes über die bewun­dern­swerte Arbeit­sleis­tung der bei­den Autoren” behauptet, dass die vier Bände der Doku­men­ta­tion auss­chließlich von Jost Thöne, Jan Röhrmann, Flo­ri­an Leon­hard, Simon Mor­ris und Car­lo Chiesa ver­fasst wor­den seien. Das ist unwahr. Richtig ist, dass Alessan­dra Barabaschi den über­wiegen­den Teil des Werks, näm­lich 148 Texte zu allen Instru­menten, ver­fasst hat.