Anhörn! Listen!

Works by Bach, Mendelssohn, Shostakovich, Koetsier, Lutoslawski and Others

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 88114
erschienen in: das Orchester 09/2008 , Seite 67

Stilis­tis­che Vielfalt ste­ht im Vorder­grund der Konz­ert­tätigkeit dieses jun­gen Blech­bläserquin­tetts, das sich 2004 in Ham­burg als Elbe­blech zusam­menge­fun­den hat. Diese spiegelt sich auch in den zwölf Titeln der CD Anhörn! wider: Orig­i­nal­w­erke für Blech­bläserquin­tett wie Lutosl´awskis Mini Ouvertüre, Jan Koet­siers Quin­tet­to liri­co und die Dance Suite, Leonard Bern­steins let­zte Kom­po­si­tion, die er fünf befre­un­de­ten Chore­ografen wid­mete, ste­hen Seite an Seite neben Arrange­ments „klas­sis­ch­er“ Werke und Jaz­z­s­tan­dards wie Old Dev­il Moon und The Girl from Ipane­ma.
Elbe­blech agiert bei allen Titeln musikalisch sehr dif­feren­ziert und stil­sich­er. Bachs kleine g-Moll-Fuge BWV 578 für Orgel klingt im Arrange­ment von Tubist und Ensem­blemit­glied Ste­fan Kaun­dinya trans­par­ent und homogen. Die Fes­tliche Ouvertüre op. 96 von Dmitri Schostakow­itsch, die ursprünglich für Orch­ester geschrieben wurde, überzeugt in Bezug auf Rhyth­mus und Klang­farbe mit viel Liebe zum Detail.
„Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys Elias ist das einzige roman­tis­che Werk auf der CD. Bei diesem im Orig­i­nal acht­stim­mi­gen Chor­satz ist die Umset­zung des Wech­sel­spiels zwis­chen Frauen- und Män­ner­chor in Bezug auf die Fär­bung sehr gut gelun­gen, den­noch macht sich das Fehlen von drei Stim­men klan­glich bemerk­bar.
Musikalis­che Gri­massen schnei­det Elbe­blech in Albern Werk, einem Werk des Ham­burg­er Sängers/Posaunisten/Komponisten Daniel Behle, in dem ein The­ma mit viel Augen­zwinkern durch das Ensem­ble gere­icht wird. Bei Lew Pol­lacks Rag­time That’s A Plen­ty meint man, eine Dix­ieland-Band zu hören, allen Jaz­zarrange­ments fehlt es nicht an Groove. Eine weit­ere Ver­sion von Yes­ter­day – laut Guin­ness Buch der Reko­rde der Reko­rd­hal­ter in der Kat­e­gorie „meist­ge­covert­er Song“ mit über 3000 Bear­beitun­gen – kann das Hörvergnü­gen let­z­tendlich nicht entschei­dend schmälern.
Aus­führlichere Infor­ma­tio­nen über die beteiligten Musik­er sucht man im Book­let lei­der verge­blich, auch ein Hin­weis auf die Inter­net­präsenz www.elbeblech.de fehlt. So beschei­den muss sich Elbe­blech denn nun auch wieder nicht geben. Viele der Arrange­ments sind auch im Ver­lag Blech­presse erschienen.
Alles in allem präsen­tiert Elbe­blech eine gelun­gene Pre­mieren-CD, die sowohl mit Rar­itäten als auch Bekan­ntem in neuem Gewand aufwartet und auch neugierig auf einen Liveauftritt der fünf macht. Der Start jeden­falls ist geglückt und man darf ges­pan­nt sein, wie sich das Ensem­ble zukün­ftig entwick­eln wird. Meine Empfehlung an die Musik­er lautet daher: Nicht aufhörn! Alle anderen soll­ten sich an den Titel hal­ten: Anhörn!
Lutz Göh­mann