Andrew Joy: cor à cor

Werke von Ligeti, Pröve, Grisey, Messiaen und Scelsi

Rubrik: CDs
Verlag/Label: edition zeitklang ez 12014
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 94

Diese CD ist eine Kopro­duk­tion von WDR3 und der „edi­tion zeitk­lang“, mit ein­er Rei­he von CD‑, DVD- und CD-ROM-Auf­nah­men Inter­pre­ten und Kom­pon­is­ten zeit­genös­sis­ch­er Musik födert. Das Book­let ist infor­ma­tiv und enthält viele Fotos.
Der Hor­nist Andrew Joy, gebür­tiger Aus­tralier und seit 1978 Solo­hor­nist beim WDR Sin­fonieorch­ester Köln ver­fügt über eine aus­gereifte Tech­nik, die es ihm erlaubt, sich mit den enor­men Her­aus­forderun­gen der Werke auseinan­der zu set­zen.
Das Ligeti-Trio (kom­poniert 1982) für Vio­line, Horn und Klavier ist nicht die erste, aber dur­chaus eine lohnende und her­vor­ra­gend einge­spielte Auf­nahme mit Chris­t­ian Oster­hag (Vio­line) und James Avery (Klavier). Sie ist sehr durch­sichtig und aus­ge­wogen. Alle drei Instru­mente sind gle­icher­maßen präsent und spie­len homogen, was für Ligetis har­monis­che Klangflächen außeror­dentlich wichtig ist. Die ver­schiede­nen Klänge ver­schmelzen miteinan­der.
Obwohl zwis­chen den Kom­po­si­tio­nen für Solo-Horn von Pröve und Mes­si­aen mehr als 20 Jahre liegen, stellen sie gle­iche spiel­tech­nis­che und musikalis­che Anforderun­gen an den Kün­stler. Bei­de Kom­pon­is­ten reizen die Möglichkeit­en der Dynamik, extremen Lagen und Tem­pi voll aus und ver­wen­den sämtliche horn-typ­is­chen Kom­po­si­tion­sef­fek­te wie Lip­pen­triller, Flat­terzunge und Glis­san­di auf halb gedrück­ten Ven­tilen. Auch kom­plizierte Rhyth­men wer­den ver­langt.
Quat­tro Pezzi (1956) für Horn solo von Giac­in­to Scel­si ist durch die vierteltöni­gen Abwe­ichun­gen von der dia­tonis­chen Skala ein Weg­weis­er für die zeit­genös­sis­che Horn­lit­er­atur. Olivi­er Mes­si­aens Thème et Vari­a­tions (1932) für Vio­line und Klavier ist das einzige Werk auf dieser CD ohne Horn. Das Stück fällt auf, nicht nur wegen sein­er Beset­zung, son­dern auch wegen der tonalen Kom­po­si­tion­sweise, wun­der­bar einge­spielt von Ostertag und Avery. Bei Gérard Griseys Accords per­dus für zwei Hörn­er wird Andrew Joy von Chris­tine Chap­man wun­der­bar ergänzt. Die beza­ubern­den Horn­klänge ver­schmelzen durch mikro­tonale Ver­schiebun­gen und tech­nis­che Läufe miteinan­der.
Die Auf­nah­me­tech­nik ist exzel­lent, die Bal­ance zwis­chen den Spiel­ern sehr aus­ge­wogen. Die Ton­wieder­gabe ist sehr klar und instru­mentenge­treu. Das Horn klingt wirk­lich wie ein Horn. Ver­ant­wortlich dafür ist, neben den Inter­pre­ten, Ton­meis­terin Bar­bara Valentin, die Tonin­ge­nieurin­nen Wal­bur­ga Dah­men und Susanne Ehrmann sowie die Ton­tech­nik: Dirk Franken, Karin von Groß und Ange­li­ka Schra­mi. Außergewöhn­liche Werke wer­den auf dieser CD auf her­vor­ra­gende Weise für jed­er­mann zugänglich gemacht.
Thomas Swartman