Mozart, Wolfgang Amadeus

Andante C‑Dur KV 315

für Flöte und Orchester, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel/Henle
erschienen in: das Orchester 05/2006 , Seite 78

Von diesem zu Recht bekan­nten und beliebten Stück gibt es eine zweis­tel­lige Zahl von Aus­gaben für Flöte und Klavier. Die Beset­zung ist über­schaubar: zwei Oboen, zwei Hörn­er und Stre­ich­er – wozu braucht man da über­haupt eine Par­ti­tur?
Bei Hen­le gibt es seit 2000 einen Klavier­auszug, der diese Frage gle­ich am Anfang beant­wortet. Im ersten Takt klin­gen Hörn­er und Oboen in Vierteln, während die Stre­ich­er pizzi­ca­to spie­len, der Klavier­satz bietet nur Vier­tel an, wenn auch mit der Angabe „Archi pizz.“. Mit Par­ti­tur weiß man bess­er, wie das klin­gen muss. Oder man kann das c’ auf dem ersten Vier­tel des drit­ten Tak­ts, das nicht in den Noten ste­ht, mit gutem Gewis­sen weglassen. Es gibt sich­er noch mehr Stellen, die den Nutzen ein­er Par­ti­tur bele­gen, und dass jet­zt von Henle/ Bre­itkopf eine vorgelegt wird, die auss­chließlich dem Auto­graf fol­gt, das hört sich dann doch sehr vielver­sprechend an.
Das von Hen­rik Wiese her­aus­gegebene Heft ist augen­fre­undlich auf leicht getön­tem Papi­er gedruckt, das Vor­wort deutet den ver­wick­el­ten Hin­ter­grund der Entste­hung an. Der Kri­tis­che Bericht fällt den Umstän­den entsprechend kurz aus, für Takt 38 muss es aber wohl statt pia[no] pizzi­ca­to heißen (vgl. die Anmerkung im Kri­tis­chen Bericht der NMA).
Motiviert durch das Mozart­jahr erscheinen gegen­wär­tig prak­tis­che Neuaus­gaben der Flöten­werke Mozarts par­al­lel bei Bären­re­it­er, dem Hort der Neuen Mozart Aus­gabe, und bei Hen­le, hier in Koop­er­a­tion mit Bre­itkopf & Här­tel, die mit ihrer neuen Edi­tion­srei­he „Bre­itkopf Urtext“ „Mozarts Werke nach neuesten wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­sen in Urtext-Aus­gaben der Musikprax­is zur Ver­fü­gung“ stellen wollen.
Da den Par­ti­tur-Aus­gaben bei­der Ver­lage das Auto­graf zugrunde liegt, bietet sich ein kurz­er Ver­gle­ich an. Neben Unter­schieden bei Textzusätzen (beispiel­sweise bei der Beschrif­tung der Vio­las­timme schreibt Mozart „Vio­le“, Bären­re­it­er Vio­la I, II und Hen­le nur Vio­la), eini­gen unter­schiedlichen Bogenset­zun­gen und Vorschlagsno­ta­tio­nen, fall­en vor allem die unter­schiedliche Behand­lung (und die unter­schiedlichen Orte) der Ton­län­gen-Beze­ich­nun­gen auf. Bei Henle/Breitkopf gibt es – wie bei Mozart – zwei unter­schiedliche Zeichen, näm­lich Strich und Punkt, bei Bären­re­it­er nur Punk­te, obwohl die NMA-Edi­tion­srichtlin­ien dazu rat­en, bei­de Zeichen wiederzugeben, da sie eine unter­schiedliche Bedeu­tung haben: Der Punkt macht die Note eher leicht, der Strich gibt ihr mehr Gewicht, ein ger­adezu „augen­fäl­liges“ Zeichen also, dessen Mozart sich gerne bedi­ent. Es spricht für die Hen­le/Bre­itkopf-Aus­gabe, dass diese dif­feren­zierende Beze­ich­nung – natür­lich auch im Klavier­auszug – beibehal­ten wurde.
Nicht, dass die Unter­schiede zwis­chen den bei­den Par­ti­turen zu wesentlichen Änderun­gen der Gestalt des Stücks führen wür­den; aber da das Auto­graf, wie es im Vor­wort heißt, „sehr sauber und fast kor­rek­tur­los niedergeschrieben ist“, weckt der Ver­gle­ich doch den Wun­sch, zusät­zlich Zugang zum Auto­graf zu erhal­ten (etwa in Form ein­er Stu­di­en­par­ti­tur). Das wäre nun wirk­lich eine beson­dere Attrak­tion zum Mozart­jahr!
Ursu­la Pesek