Kössler, Hans

Allerseelen

Elegie für Oboe (oder Violine oder Violoncello) und Orgel, jeweils Partitur und Oboenstimme

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Befoco Music, Rödental o.J.
erschienen in: das Orchester 11/2013 , Seite 75

Diese bei­den Werke für Oboe und Orgel, bei­de nicht neu, aber angenehm les­bar wieder aufgelegt, sind gefüh­lvoll und unter­hal­tend. Bei­de, das eine ein kleines Füll­stück von zwei Minuten Länge, das für zarten Schmelz im Pro­gramm sorgt, näm­lich Goep­farts Andante reli­gioso, das andere, Koesslers Allersee­len, kom­pos­i­torisch anspruchsvoller angelegt, dop­pelt so lang, aber eben­so angenehm die Ohren kitzel­nd, ergänzen die Lit­er­atur für Oboe und Orgel auf liebenswerte Art.
Goep­farts kurzes Werk beste­ht aus ein­er kleinen Oboen­melodie, die sich selb­st gern zitiert und von ein­er braven Orgel begleit­et wird. Dem Organ­is­ten bleiben nur wenige solis­tis­che Tak­te, um ein biss­chen zu zaubern, der Oboist kann am Ende auf einem lan­gen f je nach Laune eine kleine Kadenz unter­brin­gen. Ein f”’ krönt im Forte das expres­sive Streben des Obois­t­en. Ins­ge­samt vorherse­hbare Melodik, die aber dur­chaus reizvoll ist. Wer sich das große Pathos verkneift, hat hier ein sehr dankbares kurzes Vor­tragsstück, das man guten Gewis­sens auch einem noch nicht über­mäßig vir­tu­osen Schüler, der ein­mal ein Pro­gramm mit Orgel erar­beit­en möchte, empfehlen kann.
Hans Koessler, ein Schüler Rhein­berg­ers und Kom­po­si­tion­slehrer Kodálys und Bartóks in Budapest, hat Allersee­len etwas strenger angelegt und schafft mit ein paar Mod­u­la­tio­nen verträumte, nach­den­kliche Stim­mung. Über­wiegend in f‑Moll set­zt Koessler auf den etwas weniger strahlen­den, stattdessen fast melan­cholis­chen Klang der Oboe. Ab und an darf ein Vorschlag gespielt wer­den, manch­mal leit­en Tri­olen den Fluss der Melodik um.
Der Organ­ist wird hier mit ein­er pro­fes­sionellen Orgel­stimme kon­fron­tiert und kann sein großes Instru­ment ein biss­chen klin­gen lassen. Trotz­dem ist auch dieses Werk kein vir­tu­os­es Husaren­stück, son­dern eine besinnliche kleine Num­mer für zwei Musik­er, die sich gern auch ein­mal zurück­nehmen. Die Orgel hat eine Intro­duk­tion von immer­hin knapp acht Tak­ten, ehe die Oboe zur recht nach­den­klichen solis­tis­chen Kan­ti­lene anset­zt. Manch­mal laufen Oboe und Orgel unisono. Das ist weniger kom­pos­i­torische Ein­fall­slosigkeit Koesslers als ein clev­er­er Kun­st­griff, um den Klang innig und intim zu hal­ten. Immer geht es hier san­ft drän­gend weit­er, fließend ergibt sich die eine Phrase aus der anderen. Ein schönes Klein­od, das einen Gottes­di­enst vere­deln kann und dem fleißi­gen Schüler eben­so gut gefall­en wird wie dem pro­fes­sionellen Obois­t­en. Der Zuhör­er wird es sich­er genießen, zumal wenn Allersee­len in dun­kler Jahreszeit im stim­mungsvollen Rah­men ein­er Kirche aus­ge­führt wird und die Musik­er das richtige Maß zwis­chen Zurück­hal­tung und großer musikalis­ch­er Geste find­en.
Heike Eickhoff