Mozart, Wolfgang Amadeus

6 Streichquartette

"Haydn-Quartette" G-Dur KV 387/d-Moll KV 421/ Es-Dur KV 428/B-Dur KV 458/A-Dur KV 464/C-Dur KV 465

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Profil Günter Hänssler PH 040
erschienen in: das Orchester 07-08/2007 , Seite 82

Vier coole, schwarz gek­lei­dete Ladys blick­en vom Cov­er, oder sie hal­ten den Bogen mit gefährlich­er Läs­sigkeit und lenken den Blick zum Boden: Das Klenke Quar­tett spielt Mozart. Auf der Rück­seite der CD-Hüllen hän­gen die Klei­der auf Bügeln bzw. vier Paar Schuhe ste­hen ver­lassen da. Es scheint, dass es auch ein davor und danach gibt bei diesem Ensem­ble, eine Pro­fes­sion und ein Leben, bei dem man aus der Konz­ertk­lei­dung schlüpft und jemand ander­er ist: Alle vier Musik­erin­nen sind jew­eils zweifache Mut­ter und haben sich, wie sie in einem Inter­view freimütig bekan­nten, bewusst für diese Dop­pel­rolle entsch­ieden. Jet­zt wurde das Klenke Quar­tett für seine Ein­spielung der Mozart-Werke KV 428 und 458 in Cannes mit dem Midem Clas­si­cal Award aus­geze­ich­net. Es war nicht der erste Preis, mit dem dieses Ensem­ble geehrt wurde, aber sich­er ein­er der wer­be­wirk­sam­sten.
Mozarts sechs „Haydn-Quar­tette“ gehören heute zu den meist­ge­spiel­ten Kam­mer­musik­w­erken, die nach wie vor mit dem Nim­bus des Beson­deren behaftet sind. Dass diese Musik bei allen Geheimnis­sen, die sie in sich trägt, vor allem auch gemacht ist für vier Instru­men­tal­istin­nen aus Fleisch und Blut, die, wie Goethe dur­chaus richtig bemerk­te, sich auf ihre Weise klug unter­hal­ten wollen, das ver­mit­teln die neuen Auf­nah­men des Klenke Quar­tetts: Es teilt den Eifer ander­er Ensem­bles um Orig­i­nal­ität nicht und set­zt dem musikalis­chen Effekt die Intel­li­genz und Gelassen­heit des schö­nen Tons ent­ge­gen. Es gibt rauere Inter­pre­ta­tio­nen. Wieder­gaben, die glauben machen wollen, es gin­ge hier in jedem Takt um nichts anderes als die pure men­schliche Exis­tenz. Aber Mozart war nicht Schu­bert. Auch wenn er viel voraus ahnte, mit der Roman­tik und ihrer seel­is­chen Aufgewühltheit kon­nte er wenig anfan­gen, wie man etwa aus seinem harschen Urteil über Abbé Vogler in Mannheim her­ausle­sen kann.
Das Klenke Quar­tett holt den „Göt­ter­liebling“ von der Salzach qua­si auf den Tep­pich des ungekün­stel­ten, lei­den­schaftlichen Musizierens zurück. Nicht, dass die vier Damen nicht wüssten, was sie da spie­len. Ihre Inter­pre­ta­tion ist durch­dacht. Aber es scheint, als wür­den sie eher mit dem Herzen denken – und das ist gut so. So haben diese Auf­nah­men dur­chaus etwas Unspek­takuläres in ihrer musikalis­chen „Denk“-Art, denn diese ste­ht kaum im Vorder­grund und führt nicht zu Verkramp­fun­gen. Das macht diese Ein­spielun­gen so unglaublich sym­pa­thisch.
Matthias Roth