Bach, Johann Sebastian

6 Sonate per Violino e Cembalo

Sonate Nr. 1 h-Moll / Sonate Nr. 2 A-Dur / Sonate Nr. 3 E-Dur / Sonate Nr. 4 c-Moll / Sonate Nr. 5 f-Moll / Sonate Nr. 6 G-Dur BWV 1014-1019

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Carus 83.164
erschienen in: das Orchester 09/2004 , Seite 87

Chris­tine Busch und Kay Johannsen sind bestens mit Barock­musik ver­traut, Busch als Konz­ert­meis­terin ver­schieden­er Barock­o­rch­ester, Johannsen als Kan­tor an der Stuttgarter Stift­skirche. So ver­wun­dert es nicht, dass sie Bachs Sonat­en für Vio­line und Cem­ba­lo mit ein­er Barock­vi­o­line aus Südtirol und einem Cem­ba­lo von Kei­th Hill nach Rück­ers ein­spie­len. Allerd­ings hört man die beson­deren Klangqual­itäten der alten Instru­mente viel zu wenig, eigentlich nur in den langsamen Sätzen. Ein Grund hier­für ist die Auf­nah­me­tech­nik, die offen­bar auf einen großen, direk­ten und fül­li­gen Ton abzielt. Dadurch fühlt sich der Hör­er von der Musik bedrängt und in den schnellen Sätzen auch manch­mal erschla­gen. Bachs Musik hat nur manch­mal – z. B. in den langsamen Sätzen – Raum um auszuschwin­gen. Es ist zwar richtig, dass die Bal­ance der bei­den meis­tens poly­fon geführten Instru­mente so eingestellt ist, dass sie gle­ich­berechtigt wirken. Doch oft fehlt zwis­chen den Instru­menten die „Luft“. Der Hör­er kann kein sin­nvolles Miteinan­der, son­dern nur ein Nebeneinan­der erkennen.
Aber dieser unbe­friedi­gende Ein­druck hat auch mit der Inter­pre­ta­tion zu tun. Die bei­den Kün­stler näh­ern sich Bach auf eine vir­tu­ose Weise. In dieser Hin­sicht sind sie tadel­los. Sie bril­lieren mit ihrer Tech­nik. Dabei unter­läuft ihnen aber ein Rück­fall in Zeit­en, bevor die his­torische Auf­führung­sprax­is ihre Erfolge feierte: Die schnellen Pas­sagen der Vio­line wirken oft als „Band­würmer“ und das Cem­ba­lo ver­fällt in den „Schreib­maschi­nen­stil“, als ob man darauf wed­er artikulieren noch klan­glich dif­feren­zieren kön­nte. Nur an eini­gen Stellen gelingt es den bei­den Kün­stlern wirk­lich zu fesseln.
Aber ins­ge­samt fehlt dieser Inter­pre­ta­tion die Aufmerk­samkeit fürs Detail, die Sen­si­bil­ität für kle­in­ste Klangschat­tierun­gen und die Fähigkeit, das „Meer“ von Bachs Noten so geistig zu durch­drin­gen, dass es sprechend, lebendig und für den heuti­gen Hör­er fes­sel­nd wird. So ist diese Ein­spielung gewiss ein Doku­ment großer Meis­ter­schaft auf der Vio­line und dem Cem­ba­lo, aber gegenüber der Konkur­renz auf „alten“ und „neuen“ Instru­ment kann sie keinen neuen Akzent setzen.
 
Franzpeter Mess­mer