Hoffmeister, Franz Anton

1. Concerto D‑Dur

für Horn und Orchester, Partitur/Klavierauszug

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Robert Ostermeyer Musikedition, Wernigerode 2010
erschienen in: das Orchester 02/2011 , Seite 70

Franz Anton Hoffmeis­ter (1754–1812), bekan­nt als Kom­pon­ist und Ver­leger, kom­ponierte das hier vor­liegende Werk für Horn und Orch­ester im Jahr 1782. Zu seinen Werken für Horn gehören unter anderem auch zwei Konz­erte für zwei Hörn­er und Orch­ester, ein Konz­ert für drei Hörn­er und Orch­ester sowie mehrere Quin­tette für Horn und Stre­ichquar­tett.
Robert Oster­mey­er, der Her­aus­ge­ber, hat eine Abschrift dieses Konz­erts in der Bib­lio­thek des Klosters Met­ten in Bay­ern aufge­fun­den. Sie diente als Vor­lage zu der hier erst­mals im Druck erschiene­nen Aus­gabe.
Nach zahlre­ichen Auf­führun­gen im 18. und Anfang des 19. Jahrhun­derts ist das Werk lei­der in Vergessen­heit ger­at­en. Es ist für Horn solo und Orch­ester (zwei Oboen, zwei Hörn­er und Stre­ich­er) geschrieben und zeich­net sich durch seine tech­nis­chen Anforderun­gen an den Solis­ten aus. Neben vir­tu­osen Sechzehn­tel-Pas­sagen ver­langt das Stück einen extrem großen Ton­um­fang – von klin­gend fis”, der 20. Natur­ton der Natur­ton­skala (Takt 75 im ersten Satz), bis zu den tiefen Basstö­nen (Takt 172 und 173 im gle­ichen Satz), die eigentlich auf dem Naturhorn nicht mehr vorhan­den sind. Der ver­sierte Naturhorn­solist musste mit tech­nis­ch­er Fer­tigkeit den Grund­ton der Natur­ton­skala tiefer herunter biegen, um diese Töne spie­len zu kön­nen. Tiefe Töne dieser Art find­et man auch in Beethovens Horn-Sonate in F, anson­sten nur sel­ten.
Der erste Satz Alle­gro hat eine ziem­lich lange Intro­duk­tion von 41 Tak­ten, wobei der Solist häu­fig orches­tral mit­spielt. Ab Takt 42 spielt der Solist das The­ma in ein­er leicht abgeän­derten Form. Der Satz ist musikalisch nicht so effizient wie die Konz­erte von Mozart oder Haydn. Er wirkt etü­den­haft mit viel Tech­nik, ohne große musikalisch zufrieden­stel­lende Ergeb­nisse. Hier sind sozusagen mehr Noten als Musik. Der langsame Satz Andante bein­hal­tet ein ziem­lich ver­haltenes, aber zugle­ich reizvolles The­ma. Dieses wird durch die Stopftech­nik des Naturhorns und mit immer größer wer­den­den Inter­vallen gestal­tet. Der dritte Satz ist ein Ron­do im Sech­sach­tel-Takt. Mit vie­len Achtel- und Sechzehn­tel­noten bewegt sich die Solostimme luftig und leicht durch den Satz. Alle drei Sätze bieten dem Solis­ten die Möglichkeit, mit Kaden­zen noch mehr Vir­tu­osität zu zeigen.
Der Klavier­auszug ist gut geset­zt und pianis­tisch gut spiel­bar. Der Druck ist, wie gewöhn­lich bei Aus­gaben dieses Ver­lags, sehr sauber und gut leser­lich. Ob die fehlen­den Vorze­ichen bei dem drit­ten Triller im Takt 152 des ersten Satzes oder beim Vorschlag im Takt 53 des zweit­en Satzes Absicht sind, lässt sich hin­ter­fra­gen.
Dieses Werk bietet eine dur­chaus willkommene Erweiterung der klas­sis­chen Horn­lit­er­atur.
Thomas Swartman