Carl Orff
Carmina Burana
Chen Reiss (Sopran), Reginald Mobley (Countertenor), Andrzej Filończyk (Bariton), Audivi (Chor), Detroit Symphony Orchestra, Ltg. Jader Bignamini
Elemente der Kantate sowie des Gesangs- und Tanztheaters werden bei Carl Orffs Carmina Burana in raffinierter Weise vermischt. Unter der impulsiven Leitung von Jader Bignamini leuchtet hier das Detroit Symphony Orchestra in den schillerndsten Klangfarben. Und die meist viertaktigen, volksliedhaften Melodien können sich in überzeugender Weise entfalten. Insbesondere die Fein nervigkeit der rhythmischen Differenzierungen sticht deutlich hervor. Manchmal gibt es auch Verbindungen zu Les noces von Igor Strawinsky.
Der Detroit Opera Youth Chorus und der Audivi-Chor lassen die Anrufung der Fortuna hell aufleuchten. Klangliche Schattierungen und dynamische Steigerungen fesseln den Hörer. Der Wechsel alles Irdischen kommt plastisch zum Vorschein. Der „Preis des Frühlings“ mit dem fulminanten Baritonsolo von Andrzej Filo´nczyk und dem kleinen und großen Chor geht unter die Haut. Sehr tänzerisch beschwingt und ausgelassen kommt dann der Abschnitt „Floret silva undique“ (Grün ist schon der Wald) als Orchesterzwischenspiel daher. Besonders gut gelungen ist das Mittelstück „In der Schenke“, wo die derbe Ausgelassenheit ihren Höhepunkt findet. Reginald Mobley (Countertenor) kann den sarkastisch-burlesken Humor des „gebratenen Schwans“ plastisch zu Gehör bringen, auch wenn mehr Ausdruck wünschenswert gewesen wäre. Andrzej Filonzyk gibt dem famosen Baritonsolo vom „Abt von Kuckucksmünster“ den rechten Schliff. Der Schlusschor „In taberna quando sumus“ gerät zu einem rasant-hymnischen Lobpreis. Noch überzeugender gelingt bei dieser Einspielung allerdings der dritte Teil mit der poetischen Beschreibung des Wesens der Liebe. Sopran- und Baritonsolo lassen „Amor volat undique“ (Amor flattert überall) in den unterschiedlichsten Klangfarben hell aufleuchten. Dabei gefällt vor allem auch Chen Reiss (Sopran).
Das monumental gestaltete „Schicksalslied“ bildet dann einen grandiosen Abschluss. Klavier, Xylofon und Schlagwerk werden dabei höchst behutsam eingesetzt. Die Terrassendynamik des Barock feiert immer wieder Triumphe, wird aber nicht übertrieben betont. Vor allem kommt die ungeheure Lebensfülle dieses Meisterwerks bei dieser Einspielung gut zum Vorschein. Und auch die Tango-Rhythmen im Orchester beim Bariton-Solo stechen markant hervor. Wortakzent, Satzmelodie und Sprachseele bilden eine wunderbare Einheit, die bei dieser Aufnahme facettenreich zu Gehör kommt. Tempobeschleunigungen verstärken die seelisch-dramatischen Spannungsverhältnisse, der Aufbau der Dynamik ist manchmal frappierend. Skandierende Einsätze, psalmodierende Diktion und eine raffinierte Ostinatotechnik erreichen verblüffende Intensität, die gut zu Gehör kommt. Sprechgesang und melodisches Singen werden stellenweise genüsslich ausgekostet.
Alexander Walther


