Gustav Mahler

Symphonie Nr. 4

Juliane Banse (Sopran), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Ltg. Bernard Haitink

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: BR Klassik
erschienen in: das Orchester 11/2026 , Seite 76

Zu einer beachtlichen Angele­genheit gerät die im November 2005 in der Münchner Philharmonie am Gasteig entstandene Live-Aufnahme von Mahlers 4. Symphonie mit dem Symphonieorchester des Bayeri­schen Rundfunks unter der Leitung von Bernhard Haitink. Den Dirigenten und das Orchester verband eine über 60 Jahre andauernde, intensive und sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die bis zu Haitinks Tod im Jahre 2021 andauerte. Die Veröffentlichung der hier vorliegenden Symphonie auf CD ist sehr zu begrüßen, denn sie ist eines der besten Zeugnisse von Haitinks Schaffen.

Die 4. Symphonie gehört sicher zu Mahlers eindrucksvollsten Schöp­fungen. Sie ist die letzte seiner drei zusammenhängenden sogenannten „Wun­derhorn“-Symphonien, in denen nicht nur reine Orchestermusik, sondern auch Lieder aus der Gedichtesammlung „Des Knaben Wunderhorn“ erklin­gen. Mahler komponierte sie in den Sommermonaten der Jahre 1899 und 1900. Für den letzten Satz verwendete er das Wunderhorn-Lied Das himmli­sche Leben. Aus der Taufe gehoben wurde die 4. Symphonie unter der Leitung des Komponisten am 25. November 1901 in München. Zuerst war dem Werk kein Erfolg beschieden. Das Publikum konnte sich mit Mahlers Abkehr vom romantischen Pathos und der wenig imposanten Tonsprache nicht anfreun­den und versagte dem Komponisten darob die Anerkennung seiner neuesten Komposition. Erst später wurde die 4. Symphonie zu einem der gefragtesten Werke Mahlers, das häufig in den Konzertsälen zu hören ist.

Am Pult ist Altmeister Bernhard Haitink voll und ganz in seinem Ele­ment. Mit großem Einfühlungsvermögen animiert er das exzellent aufspie­lende Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu einem durchge­hend sehr klaren, intensiven und transparenten Spiel. Neben der ausgezeich­neten Durchhörbarkeit des Ganzen wartet der Dirigent zudem mit einer hervorragenden Detailarbeit auf. Gekonnt weist er den mannigfaltigen Details ihren großen musikalischen Zusammenhang zu. Darüber hinaus entlockt er den gut gelaunten Musiker:innen vielfältige spezifische Couleur vom Feinsten. Die musikalischen Strukturen von Mahlers Partitur werden von ihm ein­fühlsam herausgearbeitet. Die Diktion der Orchesterstimmen ist vorbildlich. Aus alledem ergibt sich eine ungemeine klangliche Sensitivität, die für Haitink typisch ist. Insgesamt erbringen Dirigent und Instrumentalist:innen hervor­ragende Leistungen. Demgegenüber fällt die Sängerin Juliane Banse ab. In der Mittellage singt sie zwar ordentlich, in der Höhe könnte ihr Sopran al­lerdings etwas mehr sinnliche Rundung vertragen. Ludwig Steinbach

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