Wolfgang Amadeus Mozart, Benjamin Britten, Robert Schumann, Anatol Stefan Riemer und Sulchan Zinzadse

»Collage«

Ars ad Mundum Ensemble

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: gwk Records
erschienen in: das Orchester 11/2026 , Seite 79

Wolfgang Amadeus Mozarts Idomeneo, Januar 1781 in München uraufgeführt, profitierte von dem nicht nur bei den Holzbläsern her­vorragend besetzten ehemaligen Mannheimer Orchester – die hohe Qualität der Bläser, vor allem der Holzbläser, findet denn auch den Niederschlag in der Partitur. Aber nicht nur die Oper des 25-jährigen Komponisten gewann durch das hervorragende Münchner Orchester, die Begegnung mit dem Solooboisten Friedrich Ramm inspirierte Mozart auch zum ersten Oboenquartett überhaupt. Einer Gattung, die von den Komponistinnen und Komponisten weiterhin aber eher stief­mütterlich behandelt wurde.
Auf seiner CD »Collage« schlägt das in Münster beheimatete Ensemble Ars ad Mundum (Kunst für die Welt) einen weiten Bogen von Mozart bis zur Gegenwart: Der Oboist Giorgi Kalandarishvili, Anna Kaczmarek-Ka­landarishvili und der Cellist Shengzhi Guo agieren an ersten Pulten des Sin­fonieorchesters Münster, Hindenburg Leka ist Solobratschist der Dortmunder Philharmoniker. Mozart fordert viel von den Oboisten, flirrende Passagent­öne, für die Entstehungszeit ungewöhnlich hohe Spitzentöne, schnelle Re­gisterwechsel und artikulatorische Vielfalt. Giorgi Kalandarishvili wird diesen Anforderungen auf beachtlichem Niveau gerecht, musiziert das F-Dur-Quar­tett, von den Streichern zuverlässig begleitet auf ansprechendem Niveau, ohne in die Spitzengruppe der Vergleichseinspielungen vorzudringen.
Zu den wenigen Originalwerken der Gattung gehört das Phantasy Quar­tett, op. 2 des jungen Benjamin Britten, 1933 uraufgeführt, das dem Blasin­strument viele erzählerische Momente gewährt. Weiterhin gibt es auf dieser CD drei Ersteinspielungen von Bearbeitungen von Werken von Robert Schu­mann, Anatol Stefan Riemer und Sulchan Zinzadse. Bei Schumanns Ro­manzen op. 94 wird der Oboe anstelle des Klaviers das Streichtrio gegen­übergestellt, hier ist das Ausdrucksvermögen des Oboisten gefragt, die „neue“ Streicherbegleitung erschließt erweiterte Klangräume. Bei Anatol Stefan Rie­mers (Jahrgang 1970) Alpensplitter unter Verwendung von Motiven von Ri­chard Strauss’ Alpensinfonie wird es für Giorgi Kalandarishvili bemüht avant­gardistisch bei diesem Duo für Oboe und Violine.
Musizierfreude pur hingegen bieten die Miniaturen für Streichquartett von Sulchan Zinzadse (1925-1991) in einer Fassung für Oboe und Streichtrio. Traditionelle georgische Musik verbindet sich mit westlichen Elementen, wobei die eher einfach-einprägsam gehaltene Melodik einerseits, anderseits der rhythmische Elan der Musik dem Ensemble „Ars ad Mundum“ viel Ge­legenheit zu vorantreibendem Spiel gibt. Gelegentlich bekommt das Klangbild fast symphonische Züge, zudem animieren die volksmusikalischen Elemente die Musiker zu höchst unterhaltsamem Musizieren.
Thomas Weiss

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support