Wolfgang Amadeus Mozart, Benjamin Britten, Robert Schumann, Anatol Stefan Riemer und Sulchan Zinzadse
»Collage«
Ars ad Mundum Ensemble
Wolfgang Amadeus Mozarts Idomeneo, Januar 1781 in München uraufgeführt, profitierte von dem nicht nur bei den Holzbläsern hervorragend besetzten ehemaligen Mannheimer Orchester – die hohe Qualität der Bläser, vor allem der Holzbläser, findet denn auch den Niederschlag in der Partitur. Aber nicht nur die Oper des 25-jährigen Komponisten gewann durch das hervorragende Münchner Orchester, die Begegnung mit dem Solooboisten Friedrich Ramm inspirierte Mozart auch zum ersten Oboenquartett überhaupt. Einer Gattung, die von den Komponistinnen und Komponisten weiterhin aber eher stiefmütterlich behandelt wurde.
Auf seiner CD »Collage« schlägt das in Münster beheimatete Ensemble Ars ad Mundum (Kunst für die Welt) einen weiten Bogen von Mozart bis zur Gegenwart: Der Oboist Giorgi Kalandarishvili, Anna Kaczmarek-Kalandarishvili und der Cellist Shengzhi Guo agieren an ersten Pulten des Sinfonieorchesters Münster, Hindenburg Leka ist Solobratschist der Dortmunder Philharmoniker. Mozart fordert viel von den Oboisten, flirrende Passagentöne, für die Entstehungszeit ungewöhnlich hohe Spitzentöne, schnelle Registerwechsel und artikulatorische Vielfalt. Giorgi Kalandarishvili wird diesen Anforderungen auf beachtlichem Niveau gerecht, musiziert das F-Dur-Quartett, von den Streichern zuverlässig begleitet auf ansprechendem Niveau, ohne in die Spitzengruppe der Vergleichseinspielungen vorzudringen.
Zu den wenigen Originalwerken der Gattung gehört das Phantasy Quartett, op. 2 des jungen Benjamin Britten, 1933 uraufgeführt, das dem Blasinstrument viele erzählerische Momente gewährt. Weiterhin gibt es auf dieser CD drei Ersteinspielungen von Bearbeitungen von Werken von Robert Schumann, Anatol Stefan Riemer und Sulchan Zinzadse. Bei Schumanns Romanzen op. 94 wird der Oboe anstelle des Klaviers das Streichtrio gegenübergestellt, hier ist das Ausdrucksvermögen des Oboisten gefragt, die „neue“ Streicherbegleitung erschließt erweiterte Klangräume. Bei Anatol Stefan Riemers (Jahrgang 1970) Alpensplitter unter Verwendung von Motiven von Richard Strauss’ Alpensinfonie wird es für Giorgi Kalandarishvili bemüht avantgardistisch bei diesem Duo für Oboe und Violine.
Musizierfreude pur hingegen bieten die Miniaturen für Streichquartett von Sulchan Zinzadse (1925-1991) in einer Fassung für Oboe und Streichtrio. Traditionelle georgische Musik verbindet sich mit westlichen Elementen, wobei die eher einfach-einprägsam gehaltene Melodik einerseits, anderseits der rhythmische Elan der Musik dem Ensemble „Ars ad Mundum“ viel Gelegenheit zu vorantreibendem Spiel gibt. Gelegentlich bekommt das Klangbild fast symphonische Züge, zudem animieren die volksmusikalischen Elemente die Musiker zu höchst unterhaltsamem Musizieren.
Thomas Weiss


