Richard Strauss
Intermezzo
Philipp Jekal (Bariton), Maria Bengtsson (Sopran), Anna Schoeck (Sopran), Thomas Blondelle (Tenor) u. a., Orchester der Deutschen Oper Berlin, Ltg. Donald Runnicles
Aus der Deutschen Oper Berlin stammt diese erfrischende Einspielung der Bürgerlichen Komödie Intermezzo von Richard Strauss, die im Jahre 1924 in Dresden uraufgeführt wurde. Die Handlung:
Der Kapellmeister Robert Storch gerät durch einen fehlgeleiteten Brief seiner Frau Christine in den Verdacht der Untreue, worauf sie die Scheidung fordert und die Ehe in eine schwere Krise stürzt. Erst als sich die angebliche Affäre als Verwechslung mit einem Kollegen namens Stroh herausstellt, versöhnen sich die beiden und finden wieder zusammen. Witzig wird bei dieser Aufnahme auch eine Skatpartie gestaltet. Storch, Stroh, der Justizrat, der Kammersänger und der Hausherr sitzen hier bei einer Skatpartie. Wobei man natürlich wissen muss, dass Richard Strauss selbst ein gewiefter Skatspieler war.
Die Ironie und der Witz dieser Musik kommen mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin fulminant und überschwänglich zum Vorschein. Manchmal blitzt auch die Welt des Till Eulenspiegel auf. Flüssig und temporeich entfalten sich hier die Bühnen- und Spielszenen. Vor allem die differenzierten Ausdrucksbereiche bei den sinfonischen Zwischenspielen kommen sehr überzeugend zum Vorschein. Dies gilt insbesondere für das As-Dur-Intermezzo zwischen der fünften und sechsten Szene des ersten Aktes, wo Christines Empfindungswelt zutage tritt. Maria Bengtsson trifft mit weich timbrierter Sopranstimme die richtigen Töne. Philipp Jekal antwortet ihr als Storch mit fulminantem Bariton, dessen Kantilenen auch verschwenderisch strömen können. Die Differenzierung der Strauss’schen Motivtechnik kommt überzeugend zur Geltung, weil Donald Runnicles als einfühlsamer Dirigent die Milieuschilderung genau trifft.
Das allgemein menschliche und für Strauss so wichtige Charakterisierungsmoment blitzt und leuchtet hier überall auf. Das zeigt sich ebenfalls beim von Elliot Woodruff prägnant gesungenen Sohn Franzl, der Sopranistin Anna Schoeck als Zimmermädchen Anna, dem strahlkräftigen Tenor Thomas Blondelle als Baron Lummer und dem Tenor Clemens Bieber als Stroh.
In die Dur-Seligkeit legt sich manchmal auch leise Melancholie. Neben Mozarts Figaro, Wagners Tristan und Parsifal gibt es hier auch Assoziationen zu Webers Freischütz und Gounods Faust – so Christian Thielemann. Donald Runnicles kann dies mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin glaubhaft zu Gehör bringen.
Die Ereignislosigkeit ist dem Stück früh vorgeworfen worden, worüber sich Richard Strauss empörte. Hörenswert ist dieses recht unbekannte Werk allemal. Alexander Walther


