Albert Mangelsdorff

Trilogue + 15. A Tribute to Albert Mangelsdorff

Nils Wogram (Posaune) u. a., Frankfurt Radio Big Band, Ltg. Jim McNeely

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: nWog Records
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 79

Drei seinerzeit überragende Instrumentalisten – Albert Mangelsdorff (Posaune, Deutschland), Jaco Pastorius (Elektro-Bass, USA) und Alphonse Mouzon (Schlagzeug, USA) – begegneten sich bei der nun schon legendären „Trilogue“-Session der Berliner Jazztage 1976. Das Vehikel für die Session waren fünf kompositorische Skizzen von Albert Mangelsdorff, die Nils Wogram, ebenfalls Posaunist, in Kooperation mit Arrangeur Jim McNeely für die Frankfurt Radio Big Band adaptierte.
Nils Wogram empfand die Situation zunächst als ambivalent: „Ich fragte mich, wie ich mit Alberts Vokabular und diesen Einflüssen, die mich so sehr geprägt haben, umgehe. Wie kann ich ihm entsprechen, ohne mich selbst zu verleugnen? Dieses Spannungsverhältnis bestand also nicht nur zwischen mir und der Big Band, sondern auch in mir selbst.“ Nun, solche Bedenken wurden im realen Konzert souverän weggewischt, denn die erweiterte Koloristik des Ensembles rahmte Solo-Episoden optimal und umgekehrt fügten sich einzelne Exkursionen wieder in den ursprünglichen Kontext.
Jim McNeely hat die musikalischen Substanzen mit viel Feingefühl auf die Sektionen der Big Band verteilt und als Dirigent klug die Dynamik aus den unmittelbar fließenden Entwicklungen zu Übergängen und Korridoren für individuelle Gestaltungen gelenkt. Erstaunlicherweise sind diese Versionen deshalb weder epigonal noch verfremdend geworden. Vielmehr haben die Akteure die Originale respektiert und zugleich verborgenes Potenzial hörbar gemacht. Beim Trilogue-Titel etwa bereitet Nils Wogram mit typischen Multiphonics das harmonische Tutti-Gerüst vor. Zu Foreign Fun gehören nicht nur flimmernd-swingende Sounds, sondern auch Kanon-Variationen des Themas. Bei Accidental Meeting überraschen gedämpfte Diskant-Timbres der Trompeten und Flöten, wechselnde instrumentale Kombinationen zu Extempores und ein in multiplen Registern schwirrendes Klarinetten-Intermezzo.
Ant Steps On An Elephant’s Toe beginnt mit einem Posaunen-Duo: Nils Wogram mit Simultan-Gesang, Günther Bollmann mit „normaler“ Intonation, sodass sich der signifikante Mangelsdorff-Stil in gesplitteten Stimmen präsentieren kann. Der stramme Cool Jazz in Zores Mores bringt auch den Trio-Kern, als sehr inspirierte Band in der Band, deutlich in den Vordergrund: Jean Paul Höchstädter zeigt mit seinem fantastischen Drum-Solo, dass rhythmische Präzision und melodisches Sensorium sich ergänzen können. Hans Glawischnig weiß, dass am E-Bass elegante Phrasen und dichte Grooves möglich sind. Und schließlich erweist Nils Wogram mit Yellow Hammer und famosen Multiphonics im Rockbeat dem Maestro trombonicus seine tief empfundene Reverenz. Dieses Albert Mangelsdorff gewidmete Konzert ist eine ebenbürtige Transposition seines „Trilogue“ in orchestrale Dimen­sionen.
Hans-Dieter Grünefeld

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