Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Rebecca Clarke, Benjamin Britten, Edward Elgar und Sophia Jani
Lux Intus
Barbican Quartet
Es ist für jedes Streichquartett eine Existenzfrage: Wie differenziert man sich gegenüber einer fast unüberschaubar großen Zahl an Weltklasse-Ensembles? Ganz bestimmt hilfreich ist es dabei, wenn man einen so renommierten Wettbewerb wie den der ARD in München gewonnen hat. Mit diesem weltweit anerkannten Prädikat sowie einem Plattenvertrag ausgestattet, ist einem jungen Streichquartett zumindest schon einmal eine gewisse Aufmerksamkeit sicher.
Diese Bühne nutzt das Barbican Quartet auf seiner zweiten, vom Bayerischen Rundfunk koproduzierten CD in eher unerwarteter Weise. Nicht, indem ein noch zu entdeckender Komponist in den Mittelpunkt des Auftritts gestellt oder ein Konzept- oder Crossover-Album entwickelt wird. Kate Maloney, Amarins Wierdsma, Christoph Slenczka und Yoanna Prodanova versuchen in einer guten Stunde Spielzeit ein Konzertprogramm zu entwerfen, das alle ihre Stärken auf einen Nenner bringt: Ein Leuchten aus dem Inneren, dem Zentrum des Streichquartetts. Dieses Zentrum ist vordergründig oft in der Bratschenstimme zu finden, ganz generell bezieht es sich aber auf das äußerst homogene Musizieren der vier Streicher, die immer ein Ensemble und nie eine Gruppe von Virtuosen sind.
Überragend gelingt dem Barbican Quartet die Darstellung des Kopfsatzes von Benjamin Brittens ersten Streichquartett. Aus dem gleißend hellen Nebel des Andantes heraus entwickelt sich ein urgewaltiges Allegro, das in wilder Fahrt das ganze Können des Ensembles auf den Punkt bringt. Die musikalische Spannung fällt auch danach nicht ab und das Barbican Quartet führt mit Brittens Opus 25 den Beweis, dass dessen Streichquartette noch immer zu Unrecht unterbewertet sind.
Einen ganz anderen Stellenwert nimmt Wolfgang Amadeus Mozart im Quartett-Repertoire ein. In seinem D-Dur-Quartett KV 575 glaubt man, den vier Barbicans zunächst bei einer musikalischen Tiefstapelei zuzuhören, so unprätentiös kommt das einleitende Allegretto daher. Doch schnell wird klar, dass hier einem Ensemble nichts weniger als Maßstäbliches gelingt. Dieser Mozart ist durchsichtig, sprechend und geradezu klassisch in seiner vollendeten Balance.
Mit Britten als Zentrum der CD lag es nahe, bei der Auswahl zweier weiterer Werke auf den Britischen Inseln zu bleiben: Rebecca Clarkes Poem leuchtet in der Wiedergabe durch das Barbican Quartet aus einem sehr sonoren Bratschen-Zentrum heraus und Edward Elgars viel zu oft breitgetretene Nimrod-Variation weist wundervoll sonore Gesangslinien auf. Das „Schlusswort“ auf einer rundum überzeugenden CD gehört Sophia Jani; in ihrem Postlude fangen die vier Barbicans die im Verlauf einer Stunde erzeugte Energie wie in einem wunderschön funkelnden Edelstein wieder ein.
Daniel Knödler


