Ludwig van Beethoven

Early Works for Flute & Piano: Flötensonate G-Dur nach dem Streichtrio Nr. 3 op. 9 Nr. 1/ Serenaden D-Dur op. 8 und D-Dur op. 41

Johannes Hustedt (Flöte), Sontraud Speidel (Klavier)

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Audite
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 77

Mit der Doppel-CD Early Works for Flute & Piano setzt das Label Audite seine lobenswerte Reihe mit Beethoven-Werken in Bearbeitungen für Flöte und Klavier fort. Der an der Musikhochschule Karlsruhe lehrende Flötist Johannes Hustedt und die Pianistin Sontraud Speidel widmen sich darauf unter anderem zwei ursprünglich als Streichtrios konzipierten Werken: der Serenade op. 8 und dem ersten Trio G-Dur aus op. 9. Bearbeitet für Violine und Klavier wurden sie von dem Geiger und Musikpädagogen Friedrich Hermann. Ausgebildet am Leipziger Konservatorium bei Felix Mendelssohn und dem Konzertmeister Ferdinand David, spielte er später im Gewandhausorchester. Hermann erschloss Beethovens Kammermusik für das gehobene Hausmusik- und auch Konzertrepertoire; die hier eingespielten Bearbeitungen stammen aus den Jahren 1876 und 1884.
Hustedt interpretiert den Violinpart auf der Querflöte, was sich historisch durchaus begründen lässt. Den Part revidierte er nach Vorbildern ähnlicher Kompositionen der Zeit. Dadurch rückt die Musik klanglich in die Nähe romantischer Flötensonaten. Diese beiden Beethoven-Bearbeitungen werden als Ersteinspielungen präsentiert, womit die Bedeutung dieses Albums bereits auf der Hand liegt: Es erschließt neues Repertoire in einer sorgfältigen Interpretation, die hinsichtlich Phrasierung und Spielkultur überzeugt.
Vor allem ist die Einspielung ein schönes Beispiel für die im 19. Jahrhundert verbreitete Praxis kammermusikalischer Arrangierkunst – und damit für die Zweitverwertung vorhandener Musik. Dass diese Praxis bereits zu Beethovens Zeit gang und gäbe war, beweist die ebenfalls eingespielte Serenade op. 41 für Flöte (oder Violine) und Klavier. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Originalwerk, sondern um eine 1802 oder 1803 entstandene Transkription von Beethovens Trio für Flöte, Violine und Viola op. 25 durch den damals in Wien tätigen österreichischen Klavierlehrer und Kapellmeister Franz Xaver Kleinheinz. Beethoven billigte das Arrangement selbst und überprüfte die Druckfahnen – bemerkenswert angesichts der recht freien Behandlung des Originals.
Hustedts nuancierter Flötenton korrespondiert auch hier ideal mit Speidels artikulatorisch präzisem und aufnahmetechnisch nie überpräsentem Klavierspiel. Besonders in den dialogisch angelegten Passagen entsteht so eine feine Balance; selbst die schnellen Tempi wirken nie hektisch. Eine anspruchsvolle und musikhistorisch aufschlussreiche Annäherung an Beethovens frühe Kammermusik – die im 19. Jahrhundert in ganz unterschiedlichen Gestalten rezipiert wurde.
Matthias Corvin

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