Werke von Chiel Meijering, Victor Plumettaz, Christian Fritz, Andrea Ritter und William Walton

Kiss of Fire

Vanessa Porter, Emil Kuyumcuyan (Percussion), Spark, ­Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Ltg. Johannes Witt

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 77

Mit ihrem charakteristischen Sound – der Kombination von zwei Blockflöten (bzw. Blockflöte und Melodica) und Klaviertrio – hat sich die fünfköpfige Formation Spark eine Nische im aktuellen Musikbetrieb erobert. Die Bezeichnung des Quintetts als „klassische Band“ deutet jenen kreativen Brückenschlag zwischen musikalischen Genres an, der für Sparks Musizieren so bezeichnend ist und dafür sorgt, dass die Mitglieder – wie es auf ihrer Website heißt – „ihr Ideenzelt auf einem offenen Feld zwischen Klassik, Minimal Music und Avantgarde“ aufschlagen.
Bezeichnend hierfür ist das neunsätzige Concerto für Spark, Streichorchester und Percussion mit dem Titel Kiss of Fire, das der niederländische Komponist Chiel Meijering (*1954) für die Formation geschrieben hat. Vom ersten Einsatz an macht die Musik deutlich, dass sie sich an ein Publikum richtet, dessen primäre Erfahrungsräume Kino-Blockbuster und TV-Serien sind, um von dort aus die Begeisterung für eine neu gedachte klassische Musikkultur zu wecken. Das ist eine exzellente Idee, auch wenn Meijering bei dem Versuch, ihr gerecht zu werden, kaum über ein handwerklich geschicktes Aufwärmen von Formeln hinausgelangt und dabei vor allem Emotionalisierung und Überwältigung im Sinn hat. Etwas vereinfacht gesagt heißt das: Rückgriffe auf Stilmittel aus Filmmusikpartituren von Hans Zimmer oder aus Ramin Djawadis Musik für TV-Serien werden mit Akkordfolgen und Pattern à la Steve Reich, Klavierarpeggien frei nach Ludovico Einaudi und simplen Melodien versetzt.
Oft beginnt dies, wie in When Love Comes Knocking, mit ordentlichem rhythmischem Drive oder wird, wie im Eröffnungstrack Love and Hate, durch ein paar tonal nicht sofort lokalisierbare Harmonien, geräuschhafte Klangfarben und Jazz-Einsprengsel aufgelockert, um so irgendwie dem Aspekt „Avantgarde“ Genüge zu tun. Und manchmal, wie beispielsweise bei den vertrackten rhythmischen Verläufen und eingebundenen Zitaten von Five Senses in Love, ist dies auch sehr wirkungsvoll. Störend ist jedoch, dass sich die meisten Sätze des Concertos in Bezug auf ihre musikalischen Dramaturgien und Ausdrucksbereiche ähneln. Meist basieren sie auf ostinaten bzw. leicht variierten Akkordfolgen, simplen Melodien oder klar markierten Rhythmen, die über mehrere Minuten hinweg wiederholt und allenfalls kurz von mehr oder weniger stark profilierten musikalischen Kontrasten unterbrochen werden. Vibratogesättigte Streicherkantilenen, der Bombast massiver rhythmischer Unisoni, Dopplungen durch das Streicherorchester und aufgesetzter Hall lassen dies dann oft zu einem recht einheitlichen Klangbrei werden.
Allein die ergänzenden Titel, die von einzelnen Ensemblemitgliedern geschrieben wurden, um – wie es im Booklet heißt – Meijerings Musik „stilistisch oder durch die Weiterverarbeitung konkreter Motive“ zu reflektieren, lassen etwas Differenzierungspotenzial spüren.
Stefan Drees

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