Ottorino Respighi

Sinfonia Drammatica

Orchestra Nazionale Sinfonica della RAI, Ltg. Robert Treviño

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Ondine
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 76

Ein wenig bekanntes Meisterwerk von Ottorino Respighi ist hier mit dem hervorragenden Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI unter der inspirierenden Leitung von Robert Trevino zu hören: die Sinfonia Drammatica aus den Jahren 1913 bis 1915. Musikalische Fülle, Glut und Kraft gehen nahtlos ineinander über. Die prunkvolle Farbigkeit des Dramatikers Respighi triumphiert wirkungssicher und emotionsgeladen. Ein italienisch getönter Impressionismus schimmert immer wieder durch. Und ein schillernder Farbenzauber beherrscht diese betörend interpretierte Orchesterpalette, bei der Assoziationen zu „Fontane di Roma“ oder „Pini di Roma“ auftreten, ohne die Wirkungskraft zu beeinträchtigen. Diese südländische Bild- und Ausdruckskraft lässt an die Tondichtungen von Richard Strauss denken. Manches verbindet sich auch mit Debussys und Mahlers atmosphärischer Stimmungsmalerei, was zuweilen kritisiert wurde. Aufwändige Theatralik arbeitet der umsichtige Dirigent Robert Trevino hier aber nie störend heraus. Mit rhythmischer Verve treten die Motive und Themen hervor – manchmal klingt das alles wie ein ungeheurer kontrapunktischer Wasserfall, der sich in endlosen Weiten entfaltet. Die Vereinigung des melodisch-thematischen Gehalts mit dem glanzvoll schillernden, farbigen Gewand einer raffinierten Orchestertechnik triumphiert in besonderer Weise!
Der zweite Satz Andante sostenuto besitzt den typisch betörenden Zauber der Spätromantik. Vor allem die Hörner geben in bewegender Weise den Ton an, später kommen Flöte und Harfe hinzu. Stürmisch bewegt beginnt dann der dritte Satz Allegro impetuoso.
Das Werk endet nach der imponierenden Coda in einem gewaltigen Crescendo. Ostinato-Effekte und bombastische Rhythmik lassen die Luft bis zum Zerbersten anschwellen. Gewaltige orchestrale Entladungen bieten so immer wieder erstaunliche Überraschungen. Immer prunkvoller und triumphierender wird hier die Musik, die auch sonnendurchglühten Glanz durchlässt. Betörender Klangzauber vermischt sich mit irisierend-sphärenhaften Klangflächen. Neue Formen und Strukturen musikalischer Charakteristik blitzen ebenfalls leuchtkräftig auf. Mit leidenschaftlicher Ausdruckskraft werden die Klangflächen immer wieder aufgemischt und raffiniert verwandelt. Manchmal dominieren auch zartere Orchesterfarben, über denen feingesponnene Melodiefäden schweben. Ganz entfernt klingen Marschrhythmen an. Im ersten Satz Allegro energico kommt es auch zu einem virtuos-fulminanten Einsatz der Pauken. Aufgrund des melodischen Instinkts kommt es aber nie zur völligen Auflösung der Melodie. Melodisch-thematischer Gehalt verbindet sich mit überaus farbiger Orchestertechnik. Empfehlung!
Alexander Walther

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