Joseph Beer
Der Prinz von Schiras. Operette in drei Akten
Carlos Moreno Pelizari (Tenor), Theodora Varga (Sopran), Scarlett Pulwey (Sopran), Matthias Störmer (Bariton) u. a., Opernchor Regensburg, Philharmonisches Orchester Regensburg, Ltg. Stefan Veselka
Seit Sebastian Ritschels Pionier-Inszenierung an der Oper Graz wird Joseph Beers Operette Polnische Hochzeit an den Theatern gespielt. Nicht ganz so erfolgreich ist bisher die 2023 in Regensburg wiederentdeckte Beer-Operette Der Prinz von Schiras, die Ritschel dort als Intendant in seiner mit Ronny Scholz erstellten Dialogfassung inszenierte. Beide Stücke waren Senkrechtstarter nach ihren Uraufführungen 1934 bzw. 1937 am Opernhaus Zürich. Der aus Galicien stammende Komponist floh vor den braunen Machthabern nach Frankreich und konnte später nicht mehr die Erfolgshöhe seiner ersten beiden Bühnenwerke erreichen. „Das Besondere ist, wie bei allen Operetten aus der Zeit um 1934, die Sehnsucht nach dem Fremden und nach etwas, was man nicht sofort fassen kann“, sagte Ritschel über Der Prinz von Schiras.
Die Produktion erhielt unverzüglich den Operetten-Frosch des Bayerischen Rundfunks und ist jetzt auf CD erschienen. Zum Glück: Verve, Drive und Bravour überwältigen, obwohl das Auge bei dieser auditiven Operettenschlemmerei nicht mitisst. Ein Höhepunkt im Operettenkatalog des Labels cpo trotz zahlreicher anderer Titel. Lob auf die ganze Reihe: Man vernimmt von Die Faschingsfee bis Der Prinz von Schiras mit Spannung, wie sich das Operettenimage seit dem Millennium veränderte – in Aufnahmen aus München, Bad Ischl und anderen Hochburgen.
Trotz des Ohrwurms Katzenaugen in Polnische Hochzeit wirkt Der Prinz von Schiras noch überwältigender. Das ist Operette vom Allerfeinsten. Auch hier hört man den klaren Sopran von Kirsten Labonte (Violet) und den betörenden „Prinzen“-Tenor von Carlos Moreno Pelizari (Nadir). Weil die Operette nach Hitlers Machtübernahme im pazifistischen Nachbarland uraufgeführt wurde, feierte Beer in Der Prinz von Schiras unverblümt, begeistert und hemmungslos alle in Mitteleuropa gängigen Musikformen – vom symphonisch-melodramatischen Aufbäumen zur Jazz-Manie und zum synkopischen Schlager.
Nicht so auffällig ist auf CD der Gender-Switch, bei dem Fabiana Locke den Haushofmeister Hasan und Felix Rabas dessen Frau Fatme verkörpern. Auf Tonträger bleibt auch bei transvestitischer Besetzung von Paaren die binäre Wahrnehmung erhalten, während zum Beispiel im Lied Es schmeckt der Branntwein in jedem Land fein der Herzogin von Kurland aus Goetzes Operette Adrienne Emanzipation durch Alkohol und Kutschersprache rauer und deutlicher signalisiert wird. Das tut der Würdigung dieser Veröffentlichung keinen Abbruch, zumal in weiteren Partien solche Besetzungsknüller wie Paul Kmetsch, Scarlett Pulwey, Theodora Varga und Matthias Störmer mitwirken. Das an den richtigen Stellen auch elegant und elegisch spielende Philharmonische Orchester Regensburg leistet mit GMD Stefan Veselka seinen Job auf Höhe des Gesamtpakets.
Roland Dippel


