Bernd Alois Zimmermann

Konfigurationen. 8 Stücke

Fassung für Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Violine und Violoncello, Partitur und Stimmen von Christoph Maria Wagner

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Schott Music, Mainz
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 72

Kammermusikwerke von Bernd Alois Zimmermann (1918–1970) stehen im Konzertleben und im gesamten Œuvre deutlich im Schatten seiner Oper Die Soldaten und seiner Orchesterwerke. Zimmermann, der schon sehr früh seinen eigenen Weg gefunden hat, hat sich in den 50er Jahren auch dem Serialismus zugewandt. Ein Beispiel dafür sind die 1954/56 entstandenen Konfigurationen für Klavier solo. Es sind acht kurze Kompositionen, die in ihrer Konzentration die Beschäftigung mit Anton von Webern erkennen lassen.
Für das „Forum Neue Musik“ des Deutschlandfunks in Köln hat der Komponist und Pianist Christoph Maria Wagner 2023 den Auftrag erhalten, einige Stücke aus den Konfigurationen für ein Ensemble zu bearbeiten. Eine komplexe Aufgabe, die über eine Instrumentierung weit hinausgeht, diese geradezu ausschließt. So lässt Wagner den originalen Klavierpart nahezu unangetastet und geht sehr zurückhaltend vor. Es sind überwiegend die Resonanzeffekte und gehaltenen Klaviertöne, die ihn interessieren. Dabei besetzt er das Schlagzeug mannigfaltig mit nachklingenden Instrumenten wie Vibrafon, Röhrenglocken, Tamtam, Triangel, aber auch für die Akzentsetzung mit Tempelblocks und Trommeln. Es sind nur Instrumente, die Zimmermann selbst in seiner Oper Die Soldaten verwendet hat. Alle Instrumente kommen ohne spezielle Spieltechniken aus. Der solistische Klavierpart wird auf rein klangliche Art ergänzt, die Struktur der Stücke wird nicht beeinflusst: Ein längerer Klavierton wird mit einem angestrichenen Vibrafonton vermischt, aus den Resonanzklängen der niedergedrückten Tasten werden einzelne Töne verstärkt und ein flächiger Hintergrund erzeugt. Kurze Akkorde werden durch das Tutti des Ensembles verstärkt.
In der dritten Konfiguration, die sich überwiegend im sehr leisen Dynamikbereich über einem resonierenden Septakkord im Bass abspielt, entsteht eine aparte Wirkung, wenn Tempelblocks colla parte zum Klavierdiskant verlaufen und dessen mit kurzen Vorschlägen versehene Melodietöne perkussiv akzentuieren. Ein anders gelagerter Eingriff in die Substanz der Musik liegt vor, wenn ein verklingender Klavierton von der Klarinette crescendierend übernommen oder ein dezenter Sekundklang in einer Pause hinzugefügt wird.
Insgesamt steigert die Bearbeitung gegenüber den vielfach punktuellen Ereignissen des Klaviers die Kontinuität der Musik.
Das großzügig gedruckte Notenmaterial bedarf einer Korrektur der Stimmungsangabe der Klarinette „in B“. Sie ist in der Partitur in C notiert und in der Einzelstimme für die A-Klarinette transponiert.
Heribert Haase

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