Louis Lefébure-Wély

Sortie für Bläserquintett

Eingerichtet von Christian Vitalis, Partitur und Stimmen

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Edition Dohr, Köln
erschienen in: das Orchester 10/2026 , Seite 72

Nur in Organistenkreisen dürfte man den Namen des französischen Komponisten Louis Lefébure-Wély einmal gehört haben, der von 1817–1869 lebte und in Paris seinen Dienst als Organist an verschiedenen Kirchen versah, wobei ihm hervorragende und klanggewaltige Instrumente zur Verfügung standen.
Arrangements von Orgelwerken für Bläserquintett bieten sich einerseits aufgrund der leichten Umsetzbarkeit des Klangfarbenreichtums der Register durchaus an, andererseits gehören sie unterschiedlichen Genres an: Die Orgelmusik repräsentiert zumeist die sakrale Sphäre, das Bläserquintett die konzertante Kammermusik. Im zentralen Werk L’organiste moderne von Louis Lefébure-Wély hat der Arrangeur Christian Vitalis eine Komposition gefunden, die durch ihre Motivik und Ausdruckshaltung den sakralen Raum bewusst verlässt. Sie trägt den Titel Sortie und bezeichnet die zumeist mit vollem Werk zu spielende Ausgangsmusik, die am Ende des Gottesdienstes erklingt. Als Bläserquintett kann die Musik nur mit reduzierter Klangfülle umgesetzt werden.
Nach einem kurzen akkordischen Einschwingen in die Tonart Es-Dur mit Klarinette, Horn und Fagott als Begleitstimmen beginnt die Flöte mit einem auftaktigen, sehr einprägsamen Motiv ein imitatorisches Dialogisieren mit der Oboe, in dem ein chromatischer Abwärtsgang als ein zweites charakteristisches Element hinzukommt. Das Fagott tritt anschließend mit einem zweitaktigen, rhythmisch dem ersten Motiv nahestehenden Nebengedanken auf der Dominanten hervor, wird aber schnell von einer Verarbeitungsphase des Kopfmotivs in den drei Oberstimmen und einmal auch im Horn abgelöst. Der Nebengedanke erklingt nun in Oboe und Flöte in verschiedenen harmonischen Farben. Das etwas gleichförmige Geschehen erlebt eine dynamische Intensivierung bis zum Fortissimo mit dem jetzt im Staccato zu artikulierenden Kopfmotiv in der Querflöte. Hier hätte der Bearbeiter durch eine verstärkende Unisono-Instrumentierung durchaus einen besseren Tutti-Effekt erzielen können. In der sich anschließenden Reprise wird auch auf einen möglichen Instrumentenwechsel verzichtet mit Ausnahme des jetzt zum Horn wechselnden Nebengedankens. Somit werden die Möglichkeiten des Arrangierens für ein Bläserquintett nicht optimal ausgeschöpft und die klangliche Bevorzugung von Querflöte und Oboe bleibt signifikant.
Sortie ist eine insgesamt einfach strukturierte und sehr eingängige etwa fünfminütige Musik, die an die Interpret:innen keine besonderen technischen Anforderungen stellt und gut von Amateuren bewältigt sowie in der beginnenden Ensemblearbeit in der Musikschule eingesetzt werden kann. Die Komposition ist auch in einer Bearbeitung für Blechbläserquintett erhältlich.
Heribert Haase

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