Werke von Joseph Jongen, Florent Schmitt, Léon Stekke, Henri Tomasi und Charles Koechlin

Héritage

Berner, Sebastian (Trompete), Frankfurt Radio Symphony, Ltg. Elias Grandy

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Channel Classics
erschienen in: das Orchester 9/2026

Mit Héritage legt Sebastian Berner ein programmatisches Debüt vor –eine musikalische Spurensuche nach den eigenen Wurzeln.
Den Auftakt bildet das Trompetenkonzert von Henri Tomasi – jenes Werk, mit dem Berner 2022 beim Maurice-André-Wettbewerb in Paris den ersten Preis errang. Eine solche Ausgangslage schafft hohe Erwartungen, zumal Tomasis Konzert zu den bekanntesten Werken des Repertoires zählt. Umso bemerkenswerter ist es, wie souverän Berner diese Herausforderung meistert und damit seine Spitzenstellung in der neuen Trompetengeneration unterstreicht.
Mit dem Concertino op. 41 von Joseph Jongen rückt Berner ein Werk ins Licht, das selbst in Trompeterkreisen lange ein Schattendasein führte. Ursprünglich Théo Charlier gewidmet, hat sich das rund zehnminütige Stück in den vergangenen Jahren vor allem in der Fassung für Trompete und Klavier an Musikhochschulen etabliert. Durch die Erstaufnahme der Fassung mit Orchester entfaltet Berner einen neuen klanglichen Raum, in dem die Vielschichtigkeit des Werks erst vollständig hörbar wird.
In eine ähnliche Richtung weist auch das Concerto op. 17 von Léon Stekke, das mit seinen rund acht Minuten eine kompakte, eklektische Klangwelt eröffnet. Vom impressionistisch gefärbten 7/8-Takt führt der Weg in einen Blues, weiter zu einer Art Hommage an die Rhapsody in Blue, bevor ein Foxtrott mit slapstickhaftem Charakter die Szene betritt. Es ist, als reichten sich Claude Debussy, George Gershwin, Charlie Chaplin und Miles Davis die Hand.
Ein weiteres Glanzlicht des Albums ist die Suite en trois parties op. 133 von Florent Schmitt, die Berner treffend als vielschichtiges Mosaik und Feuerwerk beschreibt. Unter Elias Grandy entfalten Orchester und Solist eine klanglich differenzierte, klare Interpretation, in der die Trompete fern heroischer Stereotype stellenweise fast flötenartig erscheint.
Ein wahres Juwel zum Abschluss bildet der Zyklus Les Chants de Kervéléan von Charles Koechlin. Entstanden im bretonischen Exil nach der Flucht vor der deutschen Wehrmacht, schrieb Koechlin sechs Melodien, von denen er fünf später um eine mehrstimmige Begleitung ergänzte, jedoch ohne spezifische Instrumentierung. Erst 2008 erstellte Robert Orledge eine Fassung für Trompete und Orchester, von der Berner nun die Ersteinspielung vorlegt und damit eine neue klangliche Dimension erschließt.
Im Gesamtbild zeigt sich, dass Berner mit Héritage weit mehr als ein Debüt vorlegt. Er positioniert sich als eigenständige künstlerische Stimme innerhalb der internationalen Trompetenszene und verbindet die Erweiterung des Repertoires mit einem klaren Plädoyer für mutigere Konzertprogramme. Zu dieser Leistung kann man nur gratulieren und bleibt gespannt, was als Nächstes folgt.
Tobias Krieger

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