Werke von E. T. A. Hoffmann

The Music of E. T. A. Hoffmann

Vocal and Instrumental Works (Jubiläumsausgabe zum 250. Geburtstag) Deutsche Kammerakademie Neuss, WDR Sinfonieorchester Köln, Parisii Quartet, Beethoven Trio Ravensburg, Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele, u. a. Ltg. Michael Alexander Willens, Johannes Goritzki, Wolfgang Brunner, Rupert Huber, Michael Hofstetter

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: cpo
erschienen in: das Orchester 9/2026 , Seite 76

Auffallend ist bei der Musik des „Gespenster-Hoffmanns“ die helle Leuchtkraft des Klangbilds. Unheimliche Passagen und dunkle Abgründe findet man als Hörer hier eher selten. Doch beim Miserere in b-Moll beeindrucken auch verhaltene Schattierungen und ergreifende Passagen. Der WDR Rundfunkchor Köln sowie das WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber interpretieren dieses im Jahre 1809 in Würzburg uraufgeführte Werk sehr stilgenau und formal ausgewogen. Josquin Desprez und Palestrina haben dabei Pate gestanden. Das volle Tutti wird nur im Eingangs- und im Schlusssatz verwendet. Sibylla Rubens, Jutta Böhnert (Sopran), Rebecca Martin (Alt), Thomas Cooley (Tenor) und Yorck Felix Speer (Bass) fügen sich intonationssicher zusammen. Eine Überraschung bieten bei dieser Einspielung die relativ unbekannten Opernwerke – darunter Liebe und Eifersucht mit dem fulminanten Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter der impulsiven Leitung von Michael Hofstetter. In diesem Werk finden sich nach vielen Intrigen zuletzt die richtigen Paare, was sich in der kontrapunktisch reichen Gestaltung der Partitur ausdrückt.
Hoffmanns indisches Melodram Dirna ist hier in einer gelungenen Aufnahme mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter der umsichtigen Leitung von Johannes Goritzki zu hören. Angelika Krautzberger als Dirna, Martin Herrmann als Ganga und Werner Klockow als Zami und Hohepriester verkörpern ausdrucksstark die Sprechrollen. Eine weitere Überraschung sind die selten zu hörenden Ouvertüren Das Kreuz an der Ostsee, Arlequin sowie Der Trank der Unsterblichkeit (wieder mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Johannes Goritzki). Dichte kontrapunktische Satztechnik dominiert. Auch die Ouvertüre zu Undine fehlt nicht. Beim Harfenquintett wirkt der Satz recht klavierartig. Große harmonische Dichte und Geschlossenheit kennzeichnen außerdem die bedeutenden Klaviersonaten, die Wolfgang Brunner einfühlsam interpretiert. Die kunstvolle freie Doppelfuge der f-Moll-Sonate sticht dabei in besonderer Weise hervor. Die Begabung des Universalgenies E. T. A. Hoffmann zeigt sich auch bei der von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens sehr effektvoll interpretierten Sinfonie in Es-Dur. Im ersten Satz überrascht die kunstvolle und unisono geführte chromatische Wendung aller Streicher mit dem verminderten Septakkord am Schluss. Im dritten Satz in c-Moll kommt dann E. T. A. Hoffmanns skurrile Veranlagung zum Ausdruck, weil das Menuett als Kanon komponiert wurde. Alles in allem: Diese musikalischen Schätze sind sehr zu empfehlen!
Alexander Walther

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