Peter Eötvös

Echo für Piccolotrompete und Orgel

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Schott Music, Mainz
erschienen in: das Orchester 9/2026 , Seite 75

Mit Echo schrieb der erst 2024 verstorbene ungarische Komponist Peter Eötvös ein spätes Werk für die beliebte, allerdings oft etwas unterrepräsentierte Besetzung Piccolotrompete und Orgel. Die rund zehnminütige Komposition entstand 2022 im Auftrag der Kölner Philharmonie, der Philharmonie Essen sowie des Müpa Budapest und wurde am 25. September 2023 in der Kölner Philharmonie durch den Trompeter Gábor Boldoczki und die Organistin Iveta Apkalna uraufgeführt.
Bereits das dreisprachige Vorwort (Deutsch, Englisch, Französisch) gibt einen poetischen Schlüssel zum Verständnis des Werks. Der Titel Echo bezieht sich auf akustische Phänomene und den offenen Raum. Zugleich versteht sich die Komposition als musikalische, lyrische Erzählung. Eötvös selbst beschreibt die Vorstellung, „als ob der Erzähler von einer Anhöhe rezitieren würde und die Umgebung seine Stimme wiederhallen ließe“.
Bemerkenswert ist die Abkehr von einem verbreiteten Trend: Echo ist nicht an eine bestimmte Orgel oder einen spezifischen Raum gebunden, sondern bewusst flexibel angelegt. Dadurch lässt sich das Werk unter unterschiedlichsten akustischen Bedingungen realisieren.
Auch die beigefügten, ebenfalls dreisprachigen Hinweise zur Aufführung von Gábor Boldoczki sind aufschlussreich. Die Trompetenstimme versteht sich als eine Art ausnotierte Improvisation, inspiriert durch das Spiel und die Stilistik des Jazztrompeters Miles Davis. Entsprechend sind eine jazzige Artikulation und Phrasierung ausdrücklich erwünscht. Gleichzeitig folgt das Werk einer klaren formalen Idee. In drei attacca verbundenen Sätzen agieren Trompete und Orgel weitgehend unabhängig voneinander und treffen nur an jeweils einem markanten Punkt am Satzende in einem Choral zusammen.
Dieses Prinzip der Treffpunkte ist in der Trompetenliteratur nicht völlig neu – beispielsweise in Okna von Petr Eben. Dennoch wirkt Eötvös’ Umsetzung eigenständig und konsequent durchdacht. Sie lässt sich auch als spielerisches Changieren mit Vorurteilen gegenüber Jazz lesen, etwa der Vorstellung eines freien, fast chaotischen Musizierens ohne Ordnung.
Der Schwierigkeitsgrad ist hoch und richtet sich an fortgeschrittene Studierende oder Profis. Repertoirepraktisch lässt sich Echo gut mit etablierten Werken für dieselbe Besetzung von André Jolivet, Henri Tomasi oder Petr Eben kombinieren. Für besonders ambitionierte Programme bietet sich zudem die Kombination mit den Preisungen von Heinz Martin Lonquich an.
Insgesamt stellt Echo eine überzeugende Erweiterung des Repertoires für Trompete und Orgel dar: klanglich reizvoll, konzeptionell klar und zugleich offen genug, um in unterschiedlichsten Räumen und Programmen bestehen zu können.
Tobias Krieger

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