Alexander Glasunow
Saxophonquartett B-Dur op. 109
Stimmen, Urtextausgabe hg. von Arcis Saxophon Quartett
Der russische Komponist Alexander Glasunow ist einer der wenigen Komponisten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren sind und ein Solo-Konzert für das Saxofon geschrieben haben. Nur Claude Debussy oder Vincent d’Indy reihen sich in die Aufzählung mit ein. Lediglich in französischen Opern eines Ambroise Thomas oder Jules Massenet sind Saxofone vereinzelt besetzt. Richard Strauss fügte in seiner Sinfonia Domestica ein Saxofon-Ensemble ein. Einzig in der Militärmusik waren Saxofone stärker vertreten. Nur der schwäbisch-bayerische Komponist Werner Egk verlangte in seiner Standmusik von 1927 neben je einem Sopran-, Alt-, Tenor-, Bariton- und Bass-, sogar ein Kontrabass-Saxofon. In dieser Zeit galt dieses glänzende Holzblasinstrument nicht mehr als außergewöhnlich.
Ende der 1920er Jahre lernte Glasunow Marcel Mule und sein 1928 gegründetes Saxofonquartett kennen. Mule hatte ihn 1931 angeregt, er möge doch ein Werk für diese Besetzung komponieren. Der weitere Verlauf der Entstehung lässt sich in dem spannend zu lesenden, dreisprachigen Vorwort von Claus Hierluksch und Jure Knez vom Arcis Saxophon Quartett nachlesen. Das Weltklasse-Ensemble zeichnete sich als Herausgeber vorliegender Stimmen verantwortlich.
Das damalige französische Saxofonquartett soll sich bereits während der ersten Proben von dem Stück begeistert gezeigt haben und wünschte vom ebenfalls sehr glücklichen Glasunow nur noch einige kleinere, stilistische Veränderungen. Auch das nicht sehr zahlreich zur Uraufführung erschienene Publikum war zufrieden, obwohl die Aufführung am 14. Dezember 1933 im „Conservatoire russe de Paris“ wegen schlechter äußerer Bedingungen nicht perfekt gelang. Der berühmte Saxofonist Sigurd Raschèr war ebenfalls derart begeistert, dass er bei Glasunow das zwei Jahre später komponierte Saxofonkonzert bestellte.
Erst über 20 Jahre nach Glasunows Tod erschien das Saxofonquartett B-Dur 1959 in Druck. Leider ist die Diskrepanz zwischen der Erstausgabe, den zum Teil fehlerhaften Abschriften und den vielen Eintragungen in anderen seither aufgetauchten Kopien und Fotografien sehr groß. Es bleibt schwierig, einen authentischen Notentext herzustellen.
Die „detaillierte Beschreibung der verwendeten Quellen, ihrer Entstehung und Beziehung zueinander sowie ihrer unterschiedlichen Lesarten“ einzelner Notenabschnitte können im letzten, neunseitigen Teil mit deutschen und englischen Anmerkungen hinter dem Notentext nachgelesen werden. So konnte sich die Edition dieser Neuausgabe erstmals zwar „auf eine Vielzahl von Quellen stützen“, jedoch gelten sowohl das Glasunow’sche Autograf als auch der zeitgenössische Stimmensatz der ersten Pariser Aufführung bis heute als verschollen.
Werner Bodendorff


