Henri Tomasi, Joseph Jongen, Léon Stekke, Florent Schmitt, Charles Koechlin
Héritage
Sebastian Berner (Trompete), hr-Sinfonieorchester Frankfurt, Ltg. Elias Grandy
Mit Héritage legt Sebastian Berner ein persönliches, programmatisches Debüt vor – eine musikalische Spurensuche nach den eigenen Wurzeln und Prägungen.
Den Auftakt bildet das Trompetenkonzert von Henri Tomasi – jenes Werk, mit dem Berner 2022 beim Maurice-André-Wettbewerb in Paris den ersten Preis errang. Eine solche Ausgangslage schafft hohe Erwartungen, zumal Tomasis Konzert zu den bekanntesten und meistgespielten Werken des Repertoires zählt. Umso bemerkenswerter ist, wie souverän Berner diese Herausforderung meistert und damit zeigt, warum er sich mit genau diesem Werk an die Spitze einer neuen Trompetengeneration gespielt hat.
Mit dem Concertino op. 41 von Joseph Jongen rückt Berner ein Werk ins Licht, das selbst in Trompeterkreisen lange ein Schattendasein führte. Das rund zehnminütige, außerordentlich farbenreiche Stück hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der Fassung für Trompete und Klavier an Musikhochschulen etabliert. Durch die Erstaufnahme der Fassung mit Orchester entfaltet Berner einen neuen klanglichen Raum, in dem die Vielschichtigkeit des Werks erst vollständig hörbar wird.
In eine ähnliche Richtung weist auch das Concerto op. 17 von Léon Stekke, einem Schüler Jongens, das mit seiner Dauer von rund acht Minuten eine kompakte, eklektische Klangwelt eröffnet. Vom impressionistisch gefärbten 7/8-Takt führt der Weg in einen Blues, weiter zu einer Art Hommage an die Rhapsody in Blue, bevor ein Foxtrott mit leicht slapstickhaftem Charakter die Szene betritt. Es ist, als reichten sich Claude Debussy, George Gershwin, Charlie Chaplin und Miles Davis die Hand.
Ein weiteres Glanzlicht des Albums ist die Suite en trois parties op. 133 von Florent Schmitt, die Berner treffend als vielschichtiges Mosaik und Feuerwerk beschreibt. Es zählt zu den anspruchsvollsten Stücken des Repertoires, insbesondere in Bezug auf Zusammenspiel und Präzision. Unter der Leitung von Elias Grandy entfalten das hr-Sinfonieorchester und Solist eine Interpretation von großer klanglicher Differenzierung und Klarheit.
Ein wahres Juwel zum Abschluss bildet der Zyklus Les Chants de Kervéléan von Charles Koechlin. Entstanden im bretonischen Exil nach der Flucht vor der Wehrmacht, umfasst das Werk sechs einstimmige Melodien, von denen Koechlin fünf später um eine mehrstimmige Begleitung ergänzte, jedoch ohne spezifische Instrumentierung für Melodie und Begleitung. Berner legt nun die Ersteinspielung der Orchesterfassung von Robert Orledge vor und erschließt damit eine neue klangliche Dimension.
Im Gesamtbild zeigt sich, dass Berner mit Héritage weit mehr als ein Debüt vorlegt. Er positioniert sich als eigenständige künstlerische Stimme innerhalb der internationalen Trompetenszene. Zu dieser Leistung kann man nur gratulieren und bleibt gespannt, was folgt.
Tobias Krieger


