Gustav Mahler
Symphony No. 2 in C Minor „Resurrection“
Masabane Cecilia Rangwanasha (Sopran), Sarah Connolly (Mezzosopran), The Hallé Orchestra, Hallé Choir, Hallé Youth Choir, Ltg. Kahchun Wong
Die Grundlage der vorliegenden Aufnahme von Mahlers 2. Symphonie war ein im Januar 2025 über die Bühne der Bridgewater Hall von Manchester gegangenes Konzert. Nun ist der Live-Mitschnitt auf CD erschienen.
Mahler war ein vielgefragter Dirigent, der oft auf Reisen war. Deshalb erstreckte sich die Arbeit an seiner Auferstehungs-Sinfonie über mehrere Jahre. Sie entstand zwischen 1888 und 1894. Die Uraufführung erfolgte 1895 in Berlin unter der Leitung des Komponisten und hinterließ bei Publikum und Kritikern gemischte Gefühle. Auf geradezu revolutionäre Weise hatte Mahler mit diesem Werk das Genre der Sinfonie weiterentwickelt und bis an seine Grenzen getrieben.
Am Pult animiert Kahchun Wong das Hallé-Orchestra zu einem klangschönen, beweglichen und konzentrierten Spiel. Wong weiß die verschiedenen Stimmungsbilder von Mahlers Auferstehungs-Sinfonie gut voneinander abzugrenzen, entlockt den Musiker:innen teilweise recht düstere Farben, wartet aber andererseits auch mit leichten und geschmeidigen und – vor allem im dritten Satz – mit recht grotesk anmutenden Klängen auf. Die dynamischen Abstufungen zwischen den einzelnen Orchesterstimmen erfolgen punktgenau. Auch auf schöne Detailarbeit ist der Dirigent bedacht. Bei dem von Sarah Connolly sehr innig und getragen intonierten „Urlicht“ nimmt er das Orchester stark zurück und setzt auf eine sehr emotionale Begleitung der Sängerin.
Viel Heiterkeit atmet Wongs Auslegung des Scherzos. Witz und Dramatik liegen hier ganz nahe beieinander und werden vom Dirigenten trefflich ausgelotet. Der Ländler im zweiten Satz, der hier zudem leichte Temporückungen aufweist, gelingt ihm indes etwas zu neutral. Das Finale entwickelt Wong ganz aus der Stille heraus. Wo andere Dirigent:innen auf große Steigerungen setzen, bleibt er ruhig. Grandios ist hier der Chor. Die Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha singt trefflich auf Linie. Ihr zur Seite steht wieder Sarah Connolly.
Insgesamt wartet Wong mit einem klaren, transparenten Klangbild auf. Andererseits erteilt er jeglicher Art von Pathos bei seiner Auslegung der Partitur eine klare Absage. Etwas mehr Pathos wäre bei diesem Werk aber schön gewesen. Offenbar will sich Wong von den legendären Leistungen älterer Interpreten von Mahlers 2. Symphonie wie Klemperer und Bernstein abheben und auf eine neue Sichtweise setzen, die mehr analytischer als romantischer Natur ist. Wer diesen Dirigier-Stil mag, wird mit der Einspielung zufrieden sein. Insgesamt kann die Anschaffung der CD durchaus empfohlen werden.
Ludwig Steinbach


