Pietro Mascagni
Zanetto (Oper in einem Akt)
Yajie Zhang (Mezzosopran), Narine Yeghiyan (Sopran), Chor und Orchester der Berliner Operngruppe, Ltg. Felix Krieger
Bei dem Label Oehms ist jüngst eine Aufnahme von Pietro Mascagnis wenig bekannter Oper Zanetto auf CD erschienen. Hierbei handelt es sich um eine durchaus beachtliche Angelegenheit. Wieder einmal hat die Berliner Operngruppe e. V. hervorragend unter Beweis gestellt, dass sie für Raritäten ein ausgesprochen gutes Händchen hat. Gegründet wurde das Ensemble im Jahr 2010 von dem Dirigenten Felix Krieger, dessen erklärtes Ziel es ist, mit dieser Operngruppe Werke des Musiktheaters zu präsentieren, die nicht sehr bekannt bzw. gänzlich unbekannt sind und abseits des gängigen Opernrepertoires stehen. Solche seltenen Opern, die man noch nie oder schon lange nicht mehr erleben konnte, will Krieger zur Aufführung bringen. Und dieses Konzept ist bisher auch voll aufgegangen. Zu der Präsentation von Zanetto kann man Krieger nur gratulieren. Diese Oper fügt sich vortrefflich in seine Konzeption ein.
Der Komponist Pietro Mascagni ist einem breiten Publikum in erster Linie durch seinen genialen Erstling Cavalleria Rusticana bekannt. Diese Oper erfreut sich seit Langem enormer Aufführungszahlen. Dagegen führen die anderen Kreationen Mascagnis für das Musiktheater ein Schattendasein auf den internationalen Bühnen. Das gilt auch für den Zanetto, die sechste Oper des bewährten Tonsetzers. Sie entstand 1895 für die am Konservatorium in Pesaro stattgefundene Rossini-Feier im Jahr 1896. Als literarische Vorlage diente dem Stück François Coppées Le passant, das Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci für die Opernbühne einrichteten.
Die musikalische Ausbeute des Zanetto ist nicht zu verachten und weckt den Wunsch, von diesem Werk auch einmal eine Inszenierung an einem Opernhaus zu erleben. Mascagnis herrliche Musik ist voll und ganz dem Verismo verschrieben und weist eine breite Klangpalette mit schwelgerischen Klängen und einer ganzen Reihe von spezifischen Couleurs auf. Diese Musik übt eine enorme Kraft auf den Zuhörer aus, die ihn in hohem Maße berührt. Es ist nachvollziehbar, dass dieser bemerkenswerte Einakter im Booklet als „Parabel über die Macht der Musik“ bezeichnet wird.
Bei Felix Krieger ist Mascagnis Partitur in besten Händen. Er animiert das konzentriert, opulent und klangschön aufspielende Orchester der Berliner Operngruppe zu einem ebenmäßig dahinfließenden, klaren, eleganten und von großer Spannung geprägten Spiel, das sich obendrein noch durch eine gute Transparenz auszeichnet. Die beiden Sängerinnen Yajie Zhang (Zanetto) und Narine Yeghiyan (Silvia) entsprechen ihren dankbaren Rollen mit vorbildlich italienisch fokussierten, emotional angehauchten und sonoren Stimmen voll und ganz. Der Chor der Berliner Operngruppe entledigt sich der schwierigen, wortlosen und lediglich auf Vokalisen fußenden Einleitung auf hohem Niveau. Der Kauf dieser CD ist sehr zu empfehlen.
Ludwig Steinbach


